„Meine Katze ist eben wählerisch” ist der Satz, den ich in der Beratung zur Katzenfütterung am häufigsten höre. Hinter dem mäkeligen Ruf steckt meist ein feines Gespür für das, was eine Katze wirklich braucht: tierisches Eiweiß. Katzen sind obligate Karnivoren, ihr gesamter Stoffwechsel ist auf Beutetiere ausgelegt, nicht auf Fleischstücke aus der Kühltheke. Welche Fleischsorte zu einer Katze passt, hängt deshalb an mehr als am Geschmack: am Fettgehalt, an der Frage, ob die Katze die Sorte schon kennt, bei kranken Katzen dazu an Niere, Blase, Bauchspeicheldrüse oder Blutzucker. Entenbrust mit Haut enthält mehr als zehnmal so viel Fett wie Putenbrust. Rind steht in der Allergiestatistik der Katze ganz oben, Kaninchen fast nie.

Fleischsorten für Katzen: Das Wichtigste in Kürze
Katzen brauchen tierisches Eiweiß in jeder Mahlzeit, weil ihr Stoffwechsel Taurin, Arginin, Arachidonsäure, Niacin und Vitamin A nur aus tierischem Gewebe decken kann. Reines Muskelfleisch ist trotzdem kein Beutetier. Fast jede Fleischsorte eignet sich, roh oder gegart, nur Schweinefleisch nie roh.
- Bedarf: Erwachsene Katzen brauchen nach FEDIAF mindestens 25 Gramm Rohprotein und 9 Gramm Rohfett je 100 Gramm Trockensubstanz, Kitten und säugende Katzen 28 bis 30 Gramm Protein.
- Eine Katze kann ihren Eiweißstoffwechsel nicht drosseln. Bekommt sie zu wenig Eiweiß, baut sie innerhalb von Tagen Muskeln ab, bei Futterverweigerung droht die Fettleber.
- Allergene: Die häufigsten Futtermittelallergene bei Katzen sind Rind (18 Prozent der Fälle), Fisch (17) und Huhn (5), Getreide spielt eine kleine Rolle (Mueller et al. 2016).
- Seltene Eiweißquellen wie Kaninchen oder Pferd sind die Reserve für eine Ausschlussdiät. Wer sie im Alltag füttert, hat sie im Ernstfall nicht mehr.
- Rohes Schweinefleisch kann das Aujeszky-Virus übertragen, das bei Katzen tödlich verläuft. Rohes Fleisch jeder Art kann Toxoplasmen enthalten, Durchfrieren oder Garen macht es sicher.
- Mein Praxis-Tipp: Katzen brauchen keine Abwechslung, eine Maus schmeckt auch immer gleich. Zwei bis drei Sorten, die die Katze kennt und verträgt, sind mehr wert als zehn.
Warum braucht eine Katze Fleisch?
Die Katze ist ein obligater Karnivor. Anders als der Hund, der im Lauf der Domestikation ein Gen für die Stärkeverdauung entwickelt hat, gewinnt sie ihre Energie aus Eiweiß und Fett. Ihre Leber baut fortlaufend Glukose aus Aminosäuren, auch im Ruhezustand. Dieser Vorgang lässt sich nicht herunterregeln. Bekommt eine Katze zu wenig Eiweiß, holt sich der Körper die Aminosäuren aus der eigenen Muskulatur. Eine Katze, die mehrere Tage nicht frisst, ist deshalb ein Notfall, denn der Fettabbau überfordert dann die Leber, bis hin zur hepatischen Lipidose. Fastentage, die beim gesunden Hund diskutiert werden, kommen bei der Katze nie in Frage.
Das Vorbild für Katzenfutter ist die Maus. Sie besteht zu rund 60 Prozent aus Eiweiß, 20 bis 30 Prozent aus Fett und nur 5 bis 10 Prozent aus Kohlenhydraten, die vor allem aus dem Darminhalt stammen. Eine Katze, die sich nur von Mäusen ernähren würde, bräuchte 10 bis 12 am Tag. Sie frisst sie mit Innereien, Knochen, Fell und Darminhalt. Genau das unterscheidet ein Beutetier von einem Stück Hühnerbrust: Reines Muskelfleisch liefert gutes Eiweiß, aber zu wenig Calcium, Vitamin A, Taurin und Spurenelemente. Eine ausgewogene Katzenration kombiniert Muskelfleisch mit Innereien, Calcium und den Ergänzungen, die den Bedarf vollständig decken.
Welche Nährstoffe kann eine Katze nur aus Fleisch beziehen?
Fünf Nährstoffe machen den Unterschied zwischen Katze und Hund besonders deutlich. Alle fünf stecken in tierischem Gewebe, bei allen fünf ist die körpereigene Herstellung der Katze unzureichend oder gar nicht vorhanden.
| Nährstoff | Wofür die Katze ihn braucht | Was ohne ihn passiert | Quelle im Fleisch |
|---|---|---|---|
| Taurin | Herzmuskel, Netzhaut, Gallensäuren, Fortpflanzung | Herzmuskelerkrankung, Netzhautschäden bis zur Blindheit, Fehlgeburten | Muskelfleisch, besonders Herz |
| Arginin | Abbau von Ammoniak in der Leber | eine einzige argininfreie Mahlzeit kann binnen Stunden eine Ammoniakvergiftung auslösen, mit Erbrechen, Krämpfen und Atemnot | jedes Muskelfleisch, Eier |
| Arachidonsäure | Haut, Fell, Entzündungsregulation, Fortpflanzung | Hautprobleme, Fruchtbarkeitsstörungen | tierische Fette, Innereien |
| Niacin (Vitamin B3) | Energiestoffwechsel | Fressunlust, Entwicklungsstörungen, entzündete Zunge | Muskelfleisch, Fisch |
| Vitamin A (Retinol) | Sehen, Haut, Immunsystem | Sehstörungen, trockene Haut, Fehlbildungen bei Kitten | Leber |
Beim Taurin lohnt sich der Blick auf Zahlen: FEDIAF empfiehlt für Nassfutter 0,2 Gramm Taurin je 100 Gramm Trockensubstanz, für Trockenfutter 0,1 Gramm, weil Taurin aus gegartem Nassfutter schlechter verfügbar ist. Hunde können Taurin aus Methionin und Cystein bilden, Katzen nicht. Beim Niacin braucht die Katze etwa die doppelte Menge des Hundes und kann es nicht aus Tryptophan herstellen. Vitamin A muss als fertiges Retinol kommen, Beta-Carotin aus Karotten nutzt der Katze nichts. Wie Sie die Taurinversorgung im Alltag sicherstellen, hängt vor allem von der Rezeptur des Futters ab.
Welche Fleischsorten eignen sich für Katzen?
Praktisch alle gängigen Fleischsorten, von Huhn über Rind bis Kaninchen und Pferd. Die Unterschiede liegen im Fettgehalt, im Allergiepotenzial und darin, ob eine Sorte als neue Eiweißquelle für eine Ausschlussdiät taugt. Die Fettwerte stammen aus den Nährwerttabellen von Souci, Fachmann und Kraut und schwanken je nach Teilstück.
| Fleischsorte | Fett je 100 g roh, etwa | Besonderheit für die Katze |
|---|---|---|
| Huhn, Brust ohne Haut | 1 bis 2 % | mager, leicht verdaulich, die häufigste Basis im Katzenfutter |
| Huhn mit Haut | 14 bis 16 % | deutlich energiereicher |
| Pute, Brust | 1 bis 2 % | mager, mild, seltener Allergieauslöser als Huhn |
| Ente | mit Haut etwa 17 %, Brust ohne Haut etwa 6 % | kräftig im Geschmack, bei wählerischen Katzen beliebt |
| Rind | 2 bis 20 % je nach Teilstück | eisenreich, häufigstes Allergen bei Katzen |
| Lamm | 8 bis 25 % je nach Teilstück | energiereich, Kreuzreaktion mit Rind möglich |
| Kaninchen | 3 bis 7 % | beutetiernah, seltene Eiweißquelle, bei vielen Katzen beliebt |
| Pferd | 2 bis 4 % | sehr mager, seltene Eiweißquelle |
| Wild (Reh, Hirsch) | 1 bis 3 % | sehr mager, saisonal, seltene Eiweißquelle |
| Schwein | 2 bis 30 % je nach Teilstück | nur durchgegart, roh lebensgefährlich |
Fisch und Insektenprotein sind kein Fleisch, aber tierische Eiweißquellen. Fisch liefert Omega-3-Fettsäuren, steht bei Katzen aber mit 17 Prozent an zweiter Stelle der Allergene und enthält roh bei vielen Arten das Enzym Thiaminase, das Vitamin B1 zerstört. Insektenprotein ist für Katzen noch wenig erprobt, bei Taurin und Arachidonsäure würde ich bei einer Katze keine Experimente machen.
Zu den Allergenen eine Einordnung, die in der Beratung oft fehlt: Dass Rind, Fisch und Huhn die Liste anführen, liegt nicht an einer schlechten Verträglichkeit, sondern daran, wie oft sie gefüttert werden. Eine Sensibilisierung setzt Kontakt voraus. Geflügelarten reagieren untereinander kreuz, Huhn mit Pute, Ente und Gans. Zwischen Rind und Lamm sind ebenfalls Kreuzreaktionen beschrieben. Eine Katze mit Hühnerallergie verträgt Pute deshalb nicht automatisch.
Roh oder gegart?
Fast jede Fleischsorte können Sie roh oder gegart füttern, nur Schweinefleisch nie roh, wegen des Aujeszky-Virus. Bei rohem Fleisch kommt für die Katze ein Risiko dazu, das beim Hund weniger im Vordergrund steht: Toxoplasmen. Die Katze ist der Endwirt dieses Parasiten, sie steckt sich über rohes Fleisch an und scheidet danach wenige Wochen lang Oozysten mit dem Kot aus, die für Menschen ansteckend sind, vor allem für Schwangere und Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Die Gewebezysten im Fleisch sterben beim Durchfrieren bei minus 12 Grad über drei Tage oder beim Erhitzen auf 67 Grad Kerntemperatur ab (Dubey 1988, MSD Veterinary Manual). Wer roh füttert, friert das Fleisch deshalb mindestens drei Tage, besser eine Woche bei minus 18 Grad durch. Dazu sollten Sie unbedingt auf die Hygiene achten. Katzen riechen die Abbauprodukte, die beim Verderben von Fleisch entstehen, und lehnen nicht mehr ganz frisches Fleisch ab, anders als Hunde. Eine Katze, die rohes Fleisch stehen lässt, ist deshalb oft nicht wählerisch, sondern hat recht. Wer seine Katze barft, übernimmt die Rationsberechnung mit Innereien, Calcium und Ergänzungen selbst.
Gegart ist die sichere Form: pur in Wasser oder gedämpft, ohne Salz, Zwiebeln und Knoblauch, mit dem Kochwasser, damit die ausgetretenen Nährstoffe nicht verloren gehen. Gegarte Knochen sollten Sie nie füttern, sie splittern. Geflügelknochen verfüttere ich bei Katzen auch roh nicht, aus denselben Gründen wie beim Hund: Sie sind hohl und splittern. Rohes Geflügel trägt außerdem Campylobacter. Calcium kommt in einer selbst gekochten Ration aus einer berechneten Ergänzung, nicht aus Knochen.
Welches Fleisch bei welcher Erkrankung und Lebensphase?
Bei einer gesunden, erwachsenen Katze ist die Fleischsorte eine Frage von Verträglichkeit und Vorliebe. Bei kranken Katzen, bei Kitten und bei Senioren kommt es auf die Sorte an: Fettgehalt, Phosphor, Jod und die Frage, ob die Katze die Sorte schon kennt, entscheiden darüber, ob sie passt.
| Erkrankung oder Lebensphase | Geeignet | Zurückhaltend oder weglassen | Warum |
|---|---|---|---|
| Futtermittelallergie, Ausschlussdiät | eine Eiweißquelle, die die Katze nachweislich nie hatte: Kaninchen, Pferd, Wild, Ziege, 8 bis 12 Wochen, tierärztlich begleitet | Rind, Fisch, Huhn, alles aus früheren Futtern | die häufigsten Allergene sind die häufigsten Futterzutaten |
| Chronische Niereninsuffizienz | hochwertiges Muskelfleisch in berechneter Menge, Nassfutter wegen der Flüssigkeit | zu viele Innereien, Knochen, phosphorreiche Teilstücke, Trockenfutter | Phosphor belastet die Niere, Eiweiß wird nicht gestrichen, sondern hochwertig und moderat gehalten |
| Diabetes mellitus | mageres Muskelfleisch, Nassfutter mit hohem Fleischanteil | stärkehaltiges Futter, fettes Fleisch bei Übergewicht | viel Eiweiß und wenig Stärke halten den Blutzucker stabil, eine Remission ist möglich |
| Übergewicht | Pute, Hühnerbrust ohne Haut, Kaninchen, Pferd | Ente mit Haut, Lammhack, Schweinebauch | magere Sorten liefern Eiweiß mit wenig Energie, Eiweiß erhält die Muskeln beim Abnehmen |
| Struvitsteine | Muskelfleisch jeder Sorte, als Nassfutter | Trockenfutter, pflanzliche Eiweißquellen | tierisches Eiweiß säuert den Harn leicht an, Flüssigkeit verdünnt ihn |
| Calciumoxalatsteine | Muskelfleisch als Nassfutter in berechneter Menge | zu viel Calcium, Vitamin-C-Zusätze | kein Ansäuern über das Ziel hinaus, viel Flüssigkeit |
| Pankreatitis | leicht verdauliche Sorten wie Huhn, Pute, Kaninchen | sehr fette Sorten, Futterwechsel im Schub | bei der Katze zählt vor allem, dass sie überhaupt frisst, Fett ist weniger entscheidend als beim Hund |
| IBD, chronische Darmentzündung | eine einzige, neue Eiweißquelle, gut verdaulich | wechselnde Sorten, Mischfutter | Darm und Immunsystem bekommen Ruhe |
| Schilddrüsenüberfunktion | Fleisch mit gleichbleibender Jodzufuhr, bei einer jodarmen Diät nur diese, ohne jede Beifütterung | fischreiche Sorten, Meeresfrüchte, ständiger Futterwechsel | Fischfutter ist in Studien mit höherem Risiko verbunden, schwankende Jodmengen stehen im Verdacht, eine jodarme Diät kann die Hormonwerte normalisieren |
| Lebererkrankung | hochwertiges Eiweiß in normaler Menge, Leber als Innerei nur dosiert | eiweißarme Fütterung ohne Grund | die Leber braucht Eiweiß für die Regeneration, Einschränkungen nur bei Enzephalopathie |
| Kitten | eiweiß- und fettreiche Sorten, Huhn, Pute, Rind, dazu Herz als Taurinquelle | sehr magere Sorten als Alleinfutter, zu viele Innereien | Wachstum braucht 28 bis 30 Gramm Eiweiß je 100 Gramm Trockensubstanz und Energie |
| Senioren ab etwa 9 Jahren | hochwertiges, gut verdauliches Muskelfleisch, Eiweiß nicht reduzieren | zu viele phosphorreiche Innereien, Knochen | Muskelerhalt braucht Eiweiß, die Niere verträgt weniger Phosphor |
Die Tabelle ersetzt keine Diät: Bei Niereninsuffizienz, Diabetes, Harnsteinen und Pankreatitis ist die berechnete Gesamtration das, was zählt. Die legt die Tierarztpraxis fest. Die Fleischsorte ist der Teil, den Sie daneben richtig machen können. Bei der Ausschlussdiät scheitert es in meiner Beratung oft an gut gemeinter Abwechslung: Viele Halterinnen und Halter haben ihrer Katze über die Jahre alles gegeben, was das Regal hergibt, Kaninchen, Pferd, Känguru, Strauß. Wenn dann der Juckreiz kommt, ist keine Eiweißquelle mehr übrig, die die Katze nicht kennt. Deshalb mein Rat: Seltene Sorten nicht im Alltag füttern, sondern für den Fall aufheben, dass die Katze sie braucht.
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Welche Eiweißquelle zu Ihrer Katze passt, hängt von Alter, Gewicht, Vorgeschichte und Befunden ab, bei Katzen zusätzlich davon, was sie überhaupt annimmt. Wenn Sie unsicher sind, welches Fleisch Ihre Katze bekommen sollte, wie Sie eine Ausschlussdiät sauber aufbauen oder wie Sie eine wählerische Katze an ein neues Futter gewöhnen, schauen wir uns das gemeinsam an, kostenlos und persönlich.
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Die Fleischsorten im Einzelnen
Acht Sorten machen fast alles aus, was in deutschen Katzenhaushalten gefüttert wird. Sie unterscheiden sich in Fett, Allergiepotenzial und Beliebtheit stärker, als die Dose vermuten lässt. Bei jeder Sorte ist das Herz die natürlichste Taurinquelle, weil es Muskel ist, kein Organ.
Hähnchen
Huhn ist die Eiweißquelle, die in den meisten Katzenfuttern steckt, mager als Brust ohne Haut mit 1 bis 2 Prozent Fett, mit Haut bei 14 bis 16 Prozent. Es ist leicht verdaulich, wird von fast allen Katzen angenommen und eignet sich als Basis für die Schonkost nach Magen-Darm-Problemen, zum Beispiel als gekochte, zerpflückte Hühnerbrust. Hühnerherzen liefern Taurin, Hühnermägen sind mager und knorpelreich. Deshalb empfehle ich Huhn gern, als Alltagsfutter und für empfindliche Mägen.
Dass Huhn mit 5 Prozent der Fälle in der Allergiestatistik hinter Rind und Fisch steht, liegt daran, wie viele Katzen es bekommen. Wer auf Huhn reagiert, reagiert häufig auch auf Pute, Ente und Gans, weil die Geflügelarten untereinander kreuzreagieren, nicht selten kommt Fisch dazu. Für eine Ausschlussdiät scheidet Huhn fast immer aus, weil fast jede Katze es schon bekommen hat. Bei Pankreatitis und für Senioren ist es durch die leichte Verdaulichkeit oft die erste Wahl.

Putenfleisch
Pute ist das magerste Geflügel, die Brust zum Beispiel enthält nur rund 1 Prozent Fett, die Keule rund 9, mit Haut etwa 15 Prozent. Sie ist mild, leicht verdaulich und eiweißreich, deshalb passt sie zu übergewichtigen Katzen, zu Senioren und zu Katzen mit empfindlichem Magen. Putenherzen sind mit rund 5 Prozent Fett mager und liefern Taurin.
Pute wird seltener als Allergieauslöser gemeldet als Huhn, ist aber kein sicherer Ersatz bei Hühnerallergie, weil die Geflügelarten untereinander kreuzreagieren. Für eine Ausschlussdiät eignet sich Pute deshalb nur bei den wenigen Katzen, die noch nie Geflügel bekommen haben. Bei Diabetes und Übergewicht ist sie durch ihren niedrigen Fettgehalt eine der besten Sorten.

Ente
Ente ist das kräftigste Geflügel im Geschmack und nach der Gans das fetteste: Brust ohne Haut etwa 6 Prozent Fett, mit Haut rund 17 Prozent. Genau deshalb nehmen viele Katzen, die Huhn verschmähen, Ente begeistert an. Ich setze sie gern bei wählerischen Katzen und bei Katzen ein, die zunehmen sollen. Entenherzen liefern Taurin, Entenleber ist mit rund 5 Prozent Fett eine milde Vitamin-A-Quelle.
Bei Übergewicht sollten Sie Ente nur ohne Haut und in kleiner Menge füttern. Als Alternative bei Hühnerallergie wird Ente oft verkauft, das stimmt nur selten: Huhn, Pute, Gans und Ente teilen ähnliche Eiweißstrukturen, eine Katze mit Hühnerallergie reagiert über die Kreuzreaktion häufig auch auf Ente. Für eine Ausschlussdiät eignet sich Ente deshalb nicht.

Rindfleisch
Rind ist eisen- und zinkreich, voller B-Vitamine und je nach Teilstück mager oder fett: Filet und Hüfte liegen zum Beispiel bei 2 bis 4 Prozent Fett, Hackfleisch und Brust bei 14 bis 22 Prozent. Für Katzen eignen sich die mageren Teilstücke, dazu Rinderherz als Taurinquelle mit 3 bis 6 Prozent Fett und Rinderlunge als magere, eiweißreiche Innerei. Rohes Hackfleisch verdirbt schneller als Stücke und sollte sehr frisch sein oder gegart werden.
Dass Rind mit 18 Prozent der Fälle an erster Stelle der Katzenallergene steht (Mueller et al. 2016), liegt daran, dass es in fast jedem Futter steckt, als Muskelfleisch oder als Innerei. Nur Katzen mit nachgewiesener Rindallergie müssen darauf verzichten, bei ihnen dann auch auf Rinderlunge und Rinderleber in anderen Sorten. Für eine Ausschlussdiät scheidet Rind fast immer aus. Bei Niereninsuffizienz passt mageres Rindermuskelfleisch, Rinderinnereien liefern dagegen viel Phosphor.

Lammfleisch
Lamm ist energiereich und schmackhaft: Die parierte Keule liegt zum Beispiel bei rund 8 Prozent Fett, Schulter und Rücken bei 15 bis 25, Lammhack bei 20 bis 25 Prozent. Dazu kommen Eisen, Zink und B-Vitamine. Viele Katzen mögen den kräftigen Eigengeschmack, bei dünnen oder alten Katzen mit schwindendem Appetit ist Lamm deshalb eine gute Energiequelle. Lammherz liefert Taurin bei rund 8 Prozent Fett.
Der Satz „Lamm ist hypoallergen” stimmt nur zur Hälfte. Lamm ist nur für Katzen eine neue Eiweißquelle, die es noch nie bekommen haben. Zwischen Rind und Lamm sind Kreuzreaktionen beschrieben, beide sind Wiederkäuer mit ähnlichen Eiweißen. Eine Katze mit Rindallergie sollte Lamm deshalb nur nach einem Test bekommen, nicht als Ausweichsorte. Bei Übergewicht eignen sich nur die mageren Teilstücke.

Kaninchen
Kaninchen ist das Fleisch, das einer natürlichen Beute am nächsten kommt: mager mit 3 bis 7 Prozent Fett, eiweißreich, mild und leicht verdaulich. Viele Katzen nehmen es begeistert an, auch solche, die sonst wählerisch sind. Kaninchenherz liefert Taurin, Kaninchenleber ist mit rund 4 Prozent Fett eine milde Vitamin-A-Quelle.
Sein größter Wert liegt darin, dass es selten gefüttert wird: Für die meisten Katzen ist Kaninchen eine neue Eiweißquelle und damit eine der verlässlichsten Optionen für die Ausschlussdiät bei Juckreiz oder chronischem Durchfall. Bei Übergewicht, Diabetes, Pankreatitis und für Senioren passt es durch den niedrigen Fettgehalt. Zwei Einschränkungen: Weil es so mager ist, braucht die Ration eine zweite Energiequelle, sonst nimmt die Katze ab. Und wer Kaninchen heute als Alltagsfutter gibt, hat es für den Ernstfall nicht mehr.

Pferdefleisch
Pferdefleisch ist über alle Teilstücke mager, mit 2 bis 4 Prozent Fett, eiweißreich und eisenhaltig, durch seinen Glykogengehalt leicht süßlich. Es wird bei Katzen selten gefüttert und ist deshalb für fast alle eine neue Eiweißquelle, die klassische Wahl für die Ausschlussdiät und für Katzen, die auf Huhn, Rind und Fisch reagieren. Pferdeherz liefert Taurin bei 3 bis 5 Prozent Fett.
Bei Übergewicht, Diabetes und Pankreatitis passt Pferd durch den niedrigen Fettgehalt, die Ration braucht dann eine berechnete zweite Energiequelle. Nicht jede Katze nimmt Pferd sofort an, der Geschmack ist ungewohnt, deshalb mische ich es bei der Umstellung in kleinen Schritten unter das bisherige Futter. Wie bei Kaninchen gilt: Pferd ist zu wertvoll für den Alltag, wenn die Katze gesund ist.

Schweinefleisch
Katzen dürfen Schweinefleisch fressen, aber nur gut durchgegart. Rohes Schweine- und Wildschweinfleisch sollten Sie nie füttern, weil es das Aujeszky-Virus übertragen kann, ein Herpesvirus, das bei Katzen wie bei Hunden innerhalb weniger Tage tödlich verläuft, ohne Behandlung und ohne Impfung. Deutschlands Hausschweine gelten seit 2003 als frei von der Krankheit, der Erreger zirkuliert aber im Schwarzwild. Auch Fleisch vom Hausschwein wird deshalb aus Vorsicht nie roh gefüttert (Friedrich-Loeffler-Institut). Dazu kommt bei Schwein das höchste Toxoplasmen-Risiko aller gängigen Fleischsorten. Durchgaren tötet beides sicher ab, Einfrieren nur die Toxoplasmen, nicht das Virus.
Gegartes, mageres Schweinefleisch, zum Beispiel Filet mit 2 bis 4 Prozent Fett, ist eine nährstoffreiche Eiweißquelle mit viel Vitamin B1, als gelegentliche Beigabe. Rohen Schinken, Salami und Mettwurst sollten Sie nicht füttern, weil Pökeln das Virus nicht abtötet. Wurst, Speck und Bauch ebenfalls nicht, sie enthalten Salz, Fett und oft Zwiebel- oder Knoblauchpulver. Hat Ihre Katze rohes Schwein erwischt, rufen Sie die Tierarztpraxis an und nennen Menge und Zeitpunkt.

Welche Innereien braucht eine Katze?
Wenn eine Katze eine Maus frisst, lässt sie die Leber nicht liegen. Innereien decken Nährstoffe ab, die reines Muskelfleisch nicht liefert: Vitamin A aus der Leber, Taurin aus dem Herzen, Eisen aus Milz und Niere, Bindegewebe aus Lunge und Strossen. Entscheidend ist die Menge. Die Leber ist dabei die Innerei, bei der es am ehesten kippt: Katzen, die über Monate überwiegend rohe Leber bekamen, entwickelten knöcherne Zubildungen bis zur Versteifung der Halswirbelsäule (Seawright und English 1967). In einem Alleinfuttermittel ist der Leberanteil berechnet, in einer selbst zusammengestellten Ration bleibt Leber ein kleiner, regelmäßiger Baustein und nie die Hauptzutat. Nieren können Schadstoffe speichern und bleiben ebenfalls ein kleiner Anteil.
Wie viel Protein und Fett braucht Katzenfutter?
Erwachsene Katzen benötigen nach FEDIAF mindestens 25 Gramm Rohprotein und 9 Gramm Rohfett je 100 Gramm Trockensubstanz, Kitten und säugende Katzen 28 bis 30 Gramm Protein. Zum Vergleich: Beim Hund sind es 18 Gramm Protein und 5,5 Gramm Fett. Eine Katze braucht also deutlich mehr Eiweiß als ein Hund, in jeder Mahlzeit, weil sie keinen Vorrat anlegen kann.
Auf der Dose stehen die Werte als Anteil am feuchten Produkt. Das führt regelmäßig zu Verwirrung. Ein Nassfutter mit 80 Prozent Feuchtigkeit und 10 Prozent Protein klingt nach wenig, enthält aber bezogen auf die Trockensubstanz 50 Prozent Eiweiß und liegt damit weit über der FEDIAF-Empfehlung. Beim Fett gilt: Es ist mit rund 9,3 Kilokalorien je Gramm der dichteste Energieträger und zugleich Träger der Arachidonsäure. Pauschal „je magerer, desto besser” stimmt für Katzen deshalb nicht. Sehr fettarme Rationen passen zu übergewichtigen oder wenig aktiven Wohnungskatzen, dann aber berechnet, denn eine Katze, die zu schnell abnimmt, riskiert die Fettleber. Trockenfutter liefert dieselben Nährstoffe fast ohne Wasser. Katzen sind schwache Trinker, weil ihre Vorfahren den Flüssigkeitsbedarf über die Beute gedeckt haben. Für Katzen rate ich deshalb klar zum Nassfutter.
Woran erkenne ich auf dem Etikett, wie viel Fleisch wirklich drin ist?
An einer offenen Deklaration, die jede Zutat einzeln mit Prozentangabe nennt, etwa „Hühnermuskelfleisch 66 %, Rinderlunge 12 %, Rinderleber 8 %”. Eine geschlossene Deklaration fasst zu Sammelbegriffen zusammen: „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse” kann vom Muskelfleisch bis zu Schlachtresten mit geringem Nährwert alles bedeuten. Vorsicht bei der Klammerangabe „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (davon 4 % Huhn)”: Sie besagt nur, dass 4 Prozent der tierischen Bestandteile vom Huhn stammen, nicht, wie hoch der Fleischanteil insgesamt ist. Mein Lesetrick aus der Beratung: Zuerst die Einzelfuttermittel-Liste mit Prozentangaben suchen. Fehlt sie, lege ich das Produkt zurück. Ein zweiter Blick lohnt sich bei Zucker und karamellisierenden Stoffen, die in manchen Katzenfuttern nur für Farbe sorgen. Was die übrigen Begriffe auf dem Etikett bedeuten, steht in der Katzenfutter-Deklaration.
Was ich als Ernährungsberaterin beim Fleisch für Katzen selbst füttere und empfehle
Die Basis ist bei mir ein Nassfutter mit offener Deklaration und hohem Muskelfleischanteil, ergänzt um berechnete Innereien. Bei Anifit sind das 94 bis 99 Prozent tierische Zutaten in Lebensmittelqualität, kalt abgefüllt, ohne Zucker, Getreide und Lockstoffe, zum Beispiel eine Geflügelsorte mit 66 Prozent Hühnermuskelfleisch, Rinderlunge, Leber und Strossen oder eine Putensorte mit 66 Prozent Truthahnmuskelfleisch. Welche Sorte, entscheidet die Katze: Für eine gesunde Katze bleibe ich bei zwei bis drei Eiweißquellen, die sie kennt und verträgt, meist Huhn, Pute oder Rind. Kaninchen und Pferd hebe ich für den Fall auf, dass sie eine neue Quelle braucht. Huhn empfehle ich dabei gern, weil es die meisten Katzen gut vertragen. Bei Übergewicht und Diabetes nehme ich die mageren Sorten, Pute, Kaninchen, Pferd, bei einer Ausschlussdiät eine einzige, nachweislich neue Quelle über acht bis zwölf Wochen. Jeder Sortenwechsel läuft bei Katzen über zwei bis vier Wochen, weil Katzen ihre Futtervorlieben früh prägen und auf abrupte Wechsel mit Verweigerung reagieren. Und bevor ich eine Sorte empfehle, lese ich die Einzelfuttermittel-Liste.
Häufige Fragen zu Fleisch im Katzenfutter
Welches Fleisch vertragen Katzen am besten?
Eine am besten verträgliche Sorte gibt es nicht, Verträglichkeit ist individuell. Mageres Geflügel wie Huhn und Pute gilt als leicht verdaulich, zählt aber zu den häufigen Allergenen. Kot, Fell und Haut zeigen zuverlässig, wie gut eine Eiweißquelle ankommt.
Dürfen Katzen rohes Fleisch fressen?
Ja, mit zwei Ausnahmen und einer Regel. Schweinefleisch nie roh, wegen des Aujeszky-Virus. Fisch nicht regelmäßig roh, wegen der Thiaminase. Und jedes rohe Fleisch vorher mindestens drei Tage bei minus 12 Grad durchfrieren, besser eine Woche bei minus 18 Grad, damit Toxoplasmen absterben, die für Schwangere gefährlich werden können.
Warum brauchen Katzen Taurin aus Fleisch?
Katzen können Taurin anders als Hunde nicht aus anderen Aminosäuren bilden. Ein Mangel schädigt Herzmuskel und Netzhaut, bis zur Blindheit. Muskelfleisch und besonders Herz liefern Taurin von Natur aus, Nassfutter sollte nach FEDIAF 0,2 Gramm je 100 Gramm Trockensubstanz enthalten.
Braucht meine Katze Abwechslung beim Fleisch?
Nicht aus Nährstoffgründen, eine Maus schmeckt immer gleich. Sinnvoll ist, dass die Katze zwei bis drei Sorten kennt und verträgt, damit sie nicht auf eine einzige geprägt bleibt und bei einem Rezepturwechsel nicht das Fressen verweigert. Seltene Sorten wie Kaninchen oder Pferd bleiben als Reserve für eine Ausschlussdiät.
Welches Fleisch bei Futtermittelallergie?
Eine Eiweißquelle, die die Katze nachweislich nie hatte, acht bis zwölf Wochen als einzige, tierärztlich begleitet. Kaninchen, Pferd, Wild oder Ziege sind die üblichen Kandidaten. Rind, Fisch und Huhn scheiden fast immer aus, weil sie in früheren Futtern waren.
Dürfen Katzen Schweinefleisch fressen?
Durchgegart ja, als gelegentliche Beigabe. Roh nie: Das Aujeszky-Virus verläuft bei Katzen tödlich, ohne Behandlung. Rohen Schinken, Salami und Mettwurst sollten Sie ebenfalls nicht füttern, weil Pökeln das Virus nicht abtötet.
Reicht reines Muskelfleisch als Katzenfutter?
Nein. Reines Muskelfleisch liefert gutes Eiweiß, aber zu wenig Calcium, Vitamin A, Taurin und Spurenelemente. Eine Katze, die dauerhaft nur Hühnerbrust bekommt, entwickelt über Monate Mangelerscheinungen. Fleisch braucht Innereien, Calcium und eine berechnete Ergänzung, oder ein Alleinfuttermittel, das das übernimmt.
Fazit zu Fleisch im Katzenfutter
Fleisch ist für die Katze die Grundlage ihres Stoffwechsels, in jeder Mahlzeit. Welche Sorte, entscheidet die Katze mit, ihre Vorgeschichte und bei kranken Katzen der Befund. Wer die Einzelfuttermittel-Liste liest, bei zwei bis drei vertrauten Sorten bleibt, seltene Sorten für den Ernstfall aufhebt und Schwein nur gegart gibt, hat das Wichtigste richtig gemacht.
Quellen und weiterführende Informationen
- FEDIAF (2024): Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food for Cats and Dogs, Mindestwerte für Rohprotein, Rohfett, Taurin und Arachidonsäure bei Katzen
- National Research Council (NRC, 2006): Nutrient Requirements of Dogs and Cats, Bezugsgröße für Nährstoffbedarfe
- Mueller, R. S., Olivry, T., Prélaud, P. (2016): Critically appraised topic on adverse food reactions of companion animals (2): common food allergen sources in dogs and cats. BMC Veterinary Research 12, 9, Häufigkeit der Futtermittelallergene bei Katzen, bmcvetres.biomedcentral.com
- Dubey, J. P. (1988): Long-term persistence of Toxoplasma gondii in tissues of pigs inoculated with Toxoplasma oocysts and effect of freezing on viability of tissue cysts in pork. American Journal of Veterinary Research 49(6), Toxoplasma-Gewebezysten in Schweinefleisch und ihre Abtötung durch Einfrieren
- MSD Veterinary Manual: Toxoplasmosis in Cats, Übertragung, Abtötung der Gewebezysten durch Erhitzen auf 67 Grad oder Einfrieren, msdvetmanual.com
- Friedrich-Loeffler-Institut (2021): FAQ Aujeszkysche Krankheit, Status Deutschlands bei Hausschweinen, Vorkommen im Schwarzwild, Gefahr für Hunde und Katzen
- Alborough, R., Graham, P. A., Gardner, D. S. (2022): Estimating short and longer-term exposure of domestic cats to dietary iodine fluctuation. Scientific Reports 12, Jodgehalt und Chargenschwankungen in Katzenfutter, Zusammenhang mit der Schilddrüsenüberfunktion, doi.org/10.1038/s41598-022-13139-8
- Seawright, A. A., English, P. B. (1967): Hypervitaminosis A and deforming cervical spondylosis of the cat. Journal of Comparative Pathology 77, Vitamin-A-Überversorgung durch Leberfütterung bei Katzen
- Fernstudienzentrum Hamburg: Studienheft BTI01, Fressverhalten, Nahrungsbestandteile, Verdauung, Besonderheiten im Stoffwechsel der Katze (Arginin, Taurin, Niacin, Arachidonsäure, Kohlenhydrattoleranz)
- Souci, S. W., Fachmann, W., Kraut, H.: Die Zusammensetzung der Lebensmittel, Nährwert-Tabellen, Fettgehalte der Fleischsorten







