„Getreidefrei“ steht heute auf fast jeder Katzenfutter-Verpackung, und im Netz liest man schnell, Getreide sei Gift für die Katze. Beides greift zu kurz. Als Katze ist Ihr Tier ein reiner Fleischfresser, der Getreide nicht braucht, gefährlich ist es deshalb aber nicht automatisch. In meiner Beratung räume ich hier oft mit Halbwissen auf. Ich erkläre Ihnen sachlich, was dran ist, worauf es wirklich ankommt und warum „getreidefrei“ allein noch kein gutes Futter macht.

Getreide im Katzenfutter: Das Wichtigste in Kürze
Katzen sind obligate Karnivoren und brauchen weder Getreide noch andere Kohlenhydrate, ihre Energie ziehen sie aus Fleisch und Fett. Giftig ist Getreide aber nicht, und eine echte Getreideallergie ist selten. Wichtiger als die Frage getreidefrei oder nicht ist ein hoher Fleischanteil bei insgesamt niedrigem Kohlenhydratgehalt.
- Katzen decken ihren Energiebedarf aus tierischem Protein und Fett, Glukose bilden sie selbst aus Eiweiß.
- Getreide ist für Hersteller oft ein günstiger Füllstoff, der das Futter streckt.
- Eine echte Getreideallergie ist selten, die häufigsten Allergene sind tierische Proteine.
- „Getreidefrei“ bedeutet nicht automatisch kohlenhydratarm, oft ersetzen Kartoffel oder Erbse das Getreide.
- Trockenfutter enthält herstellungsbedingt immer Stärke, Nassfutter braucht sie nicht.
- Mein Praxis-Tipp: Achten Sie auf den Fleischanteil und den Gesamtkohlenhydratgehalt, nicht nur auf das Wort getreidefrei.
Brauchen Katzen überhaupt Getreide oder Kohlenhydrate?
Nein. Katzen sind obligate Karnivoren, also strikte Fleischfresser. Sie decken ihren Energiebedarf vollständig aus tierischem Protein und Fett und stellen die nötige Glukose in der Leber selbst aus Aminosäuren her, über die sogenannte Gluconeogenese. Kohlenhydrate aus Getreide sind dafür nicht erforderlich.
Auch der Körperbau zeigt das: Katzen haben das Reißgebiss eines Räubers, keine Mahlzähne, und im Maul kaum Enzyme zum Aufschluss von Stärke. Ihr Verdauungssystem ist auf Fleisch ausgelegt. In der Natur nehmen sie nur winzige Mengen vorverdauter Pflanzenkost auf, nämlich aus dem Magen ihrer Beutetiere. Erwachsene Katzen können gekochte Stärke zwar in begrenztem Maß verwerten, angewiesen sind sie darauf aber nicht. Beim Hund ist die Lage anders, er ist kein reiner Fleischfresser, wie ich im Ratgeber Getreide im Hundefutter erläutere.
Warum ist dann in vielen Katzenfuttern Getreide?
Der Grund ist meist wirtschaftlich: Getreide ist eine günstige Zutat, die das Futtervolumen erhöht und kurzfristig sättigt. Ein mit Getreide gestrecktes Futter enthält damit weniger Fleisch.
Das hat eine Folge, die viele übersehen: Sinkt der Fleischanteil, fehlen auch die Nährstoffe, die natürlicherweise im Fleisch stecken, etwa Taurin und bestimmte Vitamine. Diese müssen dann künstlich zugesetzt werden. Ein hoher Fleischanteil ist deshalb auch ein Qualitätsmerkmal, mehr dazu im Ratgeber Fleisch im Katzenfutter.
Ist Getreide schädlich für Katzen?
Pauschal nein. Getreide ist kein Gift, es liefert durchaus Energie, pflanzliches Eiweiß, Fettsäuren und Ballaststoffe. Das Problem ist nicht das Getreidekorn an sich, sondern wenn es in großer Menge das Fleisch ersetzt und der Kohlenhydratanteil dadurch hoch wird.
Eine echte Getreideallergie kommt vor, ist aber selten. Die häufigsten Futtermittelallergene bei Katzen sind tierische Proteine. Diese Tabelle ordnet das ein:
| Häufige Auslöser einer Futtermittelallergie | Wie häufig |
|---|---|
| Rind, Fisch, Huhn, Milchprodukte | die mit Abstand häufigsten Auslöser |
| Getreide und Gluten | möglich, aber deutlich seltener |
Manche Katzen reagieren auf einen hohen Getreide- oder Kohlenhydratanteil empfindlich mit Verdauungsproblemen wie Durchfall. Bei anhaltenden Beschwerden sollte die Ursache tierärztlich abgeklärt werden, statt auf eigene Faust zu raten.
Was bedeutet „getreidefrei“ wirklich?
Hier liegt das größte Missverständnis. Getreidefrei heißt nur, dass kein Weizen, Mais, Reis oder anderes Getreide enthalten ist. Es heißt nicht, dass das Futter wenig Kohlenhydrate hat. Viele getreidefreie Sorten ersetzen das Getreide schlicht durch Kartoffel, Erbse oder Tapioka, der Kohlenhydratanteil bleibt dann hoch.
| Begriff | Was er wirklich bedeutet |
|---|---|
| getreidefrei | ohne Getreide, kann aber viel Kartoffel oder Erbse und damit Kohlenhydrate enthalten |
| glutenfrei | ohne glutenhaltiges Getreide, kann aber Reis oder Mais enthalten |
| kohlenhydratarm | der eigentlich entscheidende Punkt, betrifft den Gesamtanteil aller Kohlenhydrate |
| hoher Fleischanteil | das beste Zeichen für ein artgerechtes, fleischbasiertes Futter |
Ein zentraler Punkt ist also: Lassen Sie sich nicht allein vom Wort getreidefrei leiten. Aussagekräftiger sind ein hoher Fleischanteil und ein niedriger Gesamtkohlenhydratgehalt. Übrigens enthält Trockenfutter herstellungsbedingt immer Stärke, weil die Kroketten sonst nicht zusammenhalten, Nassfutter kommt dagegen ohne aus. Mehr dazu im Ratgeber Nachteile von Trockenfutter.
Kostenfreie Ernährungsberatung für Katzen
Ob ein Futter wirklich zu Ihrer Katze passt, lässt sich an der Zutatenliste oft schwer ablesen, gerade wenn es um Getreide, Kohlenhydrate und den tatsächlichen Fleischanteil geht. In einer persönlichen, kostenlosen Ernährungsberatung schaue ich mir das gemeinsam mit Ihnen an. Wir klären zum Beispiel:
- wie Sie getreidehaltiges von wirklich fleischreichem Futter unterscheiden,
- welcher Kohlenhydratanteil für Ihre Katze sinnvoll ist,
- wie eine sanfte Umstellung auf hochwertiges Futter gelingt.
Übrigens: Weitere wertvolle Tipps und Informationen rund um das Thema „Artgerechte Ernährung von Hunden und Katzen“ finden Sie in unserem Ernährungsratgeber. Außerdem haben wir für Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Anifit gesammelt.

Ernährungsberaterin für Hunde & Katzen
Worauf sollte ich beim Katzenfutter wirklich achten?
Statt auf einzelne Schlagworte zu schauen, lohnt der Blick auf das Gesamtbild. Diese Merkmale sprechen für ein artgerechtes Futter:
| Merkmal | Warum es zählt |
|---|---|
| hoher Fleischanteil | entspricht dem Bedarf der Katze als Fleischfresser |
| klar benannte Fleischsorte | statt unklarer Sammelbegriffe wie tierische Nebenerzeugnisse |
| niedriger Gesamtkohlenhydratgehalt | Kohlenhydrate sind für Katzen verzichtbar |
| ohne Zucker und unnötige Füllstoffe | reine Geschmacks- und Volumengeber ohne Nutzen |
| ein kleiner Ballaststoffanteil | tut der Verdauung gut, ohne das Fleisch zu verdrängen |
Was ich selbst füttere und empfehle, ist ein hochwertiges Anifit-Katzenfutter: getreidefrei, ohne Zucker und mit einem sehr hohen Frischfleischanteil. Wer die Zusammensetzung genauer beurteilen möchte, findet im Ratgeber bedarfsdeckendes Katzenfutter die Hintergründe.
Wie stelle ich auf ein fleischreiches Futter um?
Katzen sind ausgeprägte Gewohnheitstiere, ein abrupter Wechsel klappt selten. Mischen Sie das neue Futter über ein bis zwei Wochen langsam unter das gewohnte und erhöhen den Anteil schrittweise. So gewöhnt sich Ihre Katze an Geschmack und Konsistenz, und die Verdauung kommt mit. Eine ausführliche Anleitung finden Sie im Ratgeber Futterumstellung bei der Katze.
Häufige Fragen zu Getreide im Katzenfutter
Brauchen Katzen Getreide im Futter?
Nein. Katzen sind obligate Karnivoren und decken ihren Energiebedarf aus tierischem Protein und Fett. Die benötigte Glukose bilden sie selbst aus Aminosäuren. Getreide und andere Kohlenhydrate sind für sie verzichtbar, auch wenn erwachsene Katzen gekochte Stärke in Maßen verwerten können.
Ist Getreide im Katzenfutter schädlich?
Nicht grundsätzlich. Getreide ist kein Gift und liefert Energie, Eiweiß und Ballaststoffe. Problematisch wird es, wenn es in großer Menge das Fleisch ersetzt und der Kohlenhydratanteil hoch ausfällt. Entscheidend ist also nicht das Getreide allein, sondern der niedrige Fleischanteil.
Bedeutet getreidefrei, dass kein Kohlenhydrat enthalten ist?
Nein, das ist ein verbreitetes Missverständnis. Getreidefrei heißt nur, dass kein Getreide enthalten ist. Viele Sorten ersetzen es durch Kartoffel, Erbse oder Tapioka, sodass der Kohlenhydratanteil hoch bleibt. Achten Sie deshalb auf den Gesamtkohlenhydratgehalt.
Warum ist in günstigem Katzenfutter so oft Getreide?
Weil Getreide eine preiswerte Zutat ist, die das Futtervolumen erhöht und kurzfristig sättigt. Ein gestrecktes Futter enthält dadurch weniger Fleisch. Die im Fleisch natürlich enthaltenen Nährstoffe wie Taurin müssen dann künstlich zugesetzt werden.
Können Katzen Getreide verdauen?
Nur begrenzt. Katzen haben kaum Enzyme zum Aufschluss von Stärke im Maul und nur wenig Amylase. Erwachsene Katzen können gekochte Stärke in kleinen Mengen verwerten, ihr Verdauungssystem ist aber klar auf Fleisch ausgelegt, nicht auf pflanzliche Kost.
Ist eine Getreideallergie bei Katzen häufig?
Nein, sie ist selten. Die mit Abstand häufigsten Futtermittelallergene bei Katzen sind tierische Proteine wie Rind, Fisch, Huhn und Milchprodukte. Eine Allergie ausgerechnet gegen Getreideeiweiß kommt vor, ist aber deutlich seltener als oft angenommen.
Ist getreidefreies Futter automatisch besser?
Nicht zwangsläufig. Getreidefrei allein sagt wenig über die Qualität aus, wenn das Getreide nur durch andere Kohlenhydratquellen ersetzt wurde. Aussagekräftiger sind ein hoher Fleischanteil, klar benannte Zutaten und ein niedriger Gesamtkohlenhydratgehalt.
Warum enthält Trockenfutter immer Stärke?
Weil sie herstellungsbedingt nötig ist. Trockenfutter wird in einem Extruder gepresst, und ohne Stärke würden die Kroketten nicht zusammenhalten. Deshalb enthält Trockenfutter zwangsläufig Kohlenhydrate. Nassfutter braucht diese Stärke nicht und kommt ohne aus.
Spielt der Kohlenhydratanteil bei Diabetes eine Rolle?
Bei einer Katze mit Diabetes wird ein niedriger Kohlenhydratanteil oft als sinnvoll diskutiert. Eine solche Umstellung gehört aber in jedem Fall in tierärztliche Hände und sollte begleitet werden, da sich der Insulinbedarf ändern kann. Entscheiden Sie das nicht allein.
Brauchen Katzen gar keine Ballaststoffe?
Doch, ein kleiner Anteil Ballaststoffe ist durchaus sinnvoll und unterstützt eine gute Verdauung. Es geht also nicht um null Pflanzenanteil, sondern um das richtige Maß. Ballaststoffe sollten das Fleisch ergänzen, nicht als günstiger Füllstoff einen Großteil des Futters ausmachen.
Fazit
Getreide im Katzenfutter ist weder das Gift, als das es manchmal dargestellt wird, noch ein sinnvoller Hauptbestandteil. Als Fleischfresser braucht Ihre Katze Fleisch, kein Getreide. Lassen Sie sich aber nicht vom Schlagwort getreidefrei blenden, denn es sagt nichts über den Kohlenhydratanteil aus. Wer auf einen hohen Fleischanteil, klar benannte Zutaten und insgesamt wenig Kohlenhydrate achtet, liegt richtig, ganz gleich, ob ein einzelnes Korn enthalten ist oder nicht.
Quellen und weiterführende Informationen
- FEDIAF (2024): Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food for Cats and Dogs, die maßgeblichen europäischen Ernährungsrichtlinien für Hunde- und Katzenfutter.
- National Research Council (NRC, 2006): Nutrient Requirements of Dogs and Cats, wissenschaftliches Standardwerk zum Nährstoffbedarf, auch zum Kohlenhydratstoffwechsel der Katze.
- Zentek, J. (2016): Ernährung der Katze, Enke Verlag, tiermedizinisches Standardwerk zur Katzenernährung.







