Kohlenhydrate in der Katzenernährung: Wie viel braucht eine Katze wirklich?

Veröffentlicht am:

Kaum ein Thema sorgt bei der Katzenernährung für so viel Verwirrung wie Kohlenhydrate. Auf vielen Futtersorten stehen sie weit oben in der Zutatenliste, obwohl die Katze ein strikter Fleischfresser ist. Wie passt das zusammen und wie viele Kohlenhydrate braucht eine Katze überhaupt? Ich erkläre Ihnen, was hinter Zucker, Stärke und Ballaststoffen steckt und worauf es bei der Auswahl wirklich ankommt.

Kohlenhydrate in der Katzenernährung: Wie viel braucht eine Katze wirklich?
Kohlenhydrate in der Katzenernährung: Wie viel braucht eine Katze wirklich?

Kohlenhydrate in der Katzenernährung: Das Wichtigste in Kürze

Die Katze ist ein strikter Fleischfresser und hat keinen zwingenden Bedarf an Kohlenhydraten. Ihren Glukosebedarf deckt sie überwiegend aus Eiweiß. Kleine Mengen verträgt sie, große Mengen sind unphysiologisch. Im Mittelpunkt sollten Fleisch, Fett und Feuchtigkeit stehen, nicht Stärke.

  • Katzen benötigen keine Kohlenhydrate als eigenständigen Nährstoff, sie bilden Glukose selbst aus Eiweiß.
  • Hochwertiges Nassfutter enthält meist unter 10 Prozent Kohlenhydrate, Trockenfutter oft 30 bis 50 Prozent.
  • Auch getreidefreies Futter kann viel Stärke aus Kartoffel oder Erbsen enthalten.
  • Ballaststoffe sind ebenfalls Kohlenhydrate, sie sind unverdaulich und unterstützen die Verdauung.
  • Mein Tipp: Der Rest- beziehungsweise NfE-Wert verrät den Kohlenhydratanteil zuverlässiger als jede Zutatenliste, rechnen Sie ihn kurz aus.

Was sind Kohlenhydrate eigentlich?

Kohlenhydrate sind energieliefernde Nährstoffe aus pflanzlichen Quellen. Man teilt sie grob in drei Gruppen ein, die für die Katze unterschiedlich bedeutsam sind:

ArtBeispieleBedeutung für die Katze
ZuckerGlukose, Laktoseliefern schnell Energie, für die Katze entbehrlich
StärkeGetreide, Kartoffel, Erbsennur gekocht begrenzt verwertbar, dient oft als Füllstoff und Bindemittel
BallaststoffeZellulose, Flohsamen, Rübenfaserunverdaulich, unterstützen Darmtätigkeit und Kotkonsistenz

Wenn von einem hohen Kohlenhydratanteil im Futter die Rede ist, geht es fast immer um Stärke. Ballaststoffe werden getrennt betrachtet, weil sie eine ganz andere Aufgabe haben.

Warum die Katze als Fleischfresser kaum Kohlenhydrate braucht

Die Katze ist anders als der Hund ein strikter Fleischfresser. Ihr Stoffwechsel ist über Jahrtausende auf Beutetiere ausgelegt, die fast nur aus Eiweiß und Fett bestehen. Das zeigt sich bis in die Verdauung hinein: Im Speichel der Katze fehlt das stärkespaltende Enzym Amylase und auch im Darm steht davon nur wenig zur Verfügung.

Glukose, die der Körper braucht, stellt die Katze überwiegend selbst her, aus Eiweiß über die sogenannte Gluconeogenese. Einen Nährstoff namens Kohlenhydrat muss sie also nicht über das Futter aufnehmen. In meiner Beratung erlebe ich oft, dass dieser Punkt überrascht, weil viele Sorten genau das Gegenteil vermuten lassen. Kleine, gut aufgeschlossene Stärkemengen verträgt die Katze, aber sie sind Beiwerk, keine Notwendigkeit.

Wie viele Kohlenhydrate braucht eine Katze wirklich?

Eine Katze hat keinen zwingenden Bedarf an Kohlenhydraten, da sie Glukose selbst aus Eiweiß bilden kann. Kleine Mengen gut aufgeschlossener Stärke verträgt sie problemlos. Sinnvoll ist ein möglichst niedriger Anteil, wie ihn fleischreiches Nassfutter bietet. Im Zentrum sollten hochwertiges Eiweiß, Fett und viel Feuchtigkeit stehen.

Wo stecken die meisten Kohlenhydrate: Trockenfutter gegen Nassfutter?

Der Kohlenhydratanteil unterscheidet sich stark nach Futterart. Trockenfutter braucht Stärke, damit die Kroketten überhaupt ihre Form behalten, deshalb liegt der Anteil dort regelmäßig hoch. Nassfutter kommt mit deutlich weniger aus:

FuttertypTypischer Kohlenhydratanteil (Trockenmasse)
hochwertiges Nassfuttermeist unter 10 Prozent
Trockenfutteroft 30 bis 50 Prozent
getreidefreies Trockenfuttertrotzdem oft 20 bis 40 Prozent, nur mit Kartoffel oder Erbsen statt Getreide

Getreidefrei heißt also nicht automatisch kohlenhydratarm. Was sonst noch für und gegen Getreide spricht, lesen Sie im Ratgeber Getreide im Katzenfutter. Warum Trockenfutter für Katzen auch über den hohen Stärkeanteil hinaus ungünstig ist, lesen Sie im Ratgeber Nachteile von Trockenfutter.

Wie erkenne ich den Kohlenhydratgehalt auf dem Etikett?

Kohlenhydrate werden auf Katzenfutter fast nie direkt angegeben. Sie lassen sich aber leicht abschätzen: Man zieht die übrigen Bestandteile von 100 ab. Übrig bleibt der Rest, fachlich NfE genannt (stickstofffreie Extraktstoffe), der im Wesentlichen die Kohlenhydrate abbildet.

Angabe auf dem EtikettBeispielwert
Rohprotein10 %
Rohfett6 %
Rohfaser0,5 %
Rohasche2 %
Feuchtigkeit79 %
Rest (Kohlenhydrate, NfE)rund 2,5 %

In der Praxis rechne ich diesen Wert kurz im Kopf aus, sobald ich eine Dose in der Hand habe. Bei einem guten Nassfutter bleibt nur ein kleiner Rest übrig. Wie Sie darüber hinaus den Energiegehalt einordnen, zeigt der Ratgeber Kalorien im Katzenfutter berechnen.

Welche Rolle spielen Ballaststoffe?

Ballaststoffe zählen zwar zu den Kohlenhydraten, spielen aber eine ganz eigene Rolle. Sie liefern keine Energie, sondern wandern weitgehend unverdaut durch den Darm. In Maßen tun sie der Katze gut: Sie unterstützen eine geregelte Verdauung, können beim Abtransport verschluckter Haare helfen und sorgen für eine festere Kotkonsistenz.

Aus meiner Beratung weiß ich, dass ein moderater Ballaststoffanteil gerade bei Wohnungskatzen mit Haarballen sinnvoll sein kann. Wichtig ist die Unterscheidung: Ein hoher Ballaststoffanteil ist etwas anderes als ein hoher Stärkeanteil, auch wenn beides unter Kohlenhydrate fällt.

Welche Probleme können zu viele Kohlenhydrate machen?

Ein dauerhaft hoher Kohlenhydratanteil passt nicht zum Stoffwechsel der Katze. Am deutlichsten ist der Zusammenhang mit Übergewicht: Kohlenhydratreiches Trockenfutter ist energiedicht und wird oft zu reichlich gefüttert. Ob ein hoher Kohlenhydratanteil darüber hinaus das Risiko für Diabetes erhöht, wird unter Fachleuten diskutiert, klar belegt ist vor allem der Zusammenhang mit dem Körpergewicht.

Dazu kommt: Jeder Anteil Stärke verdrängt im Napf wertvolles tierisches Eiweiß. Ein kohlenhydratarmes, fleischreiches Futter liegt damit näher an dem, was die Katze von Natur aus braucht.

Worauf sollte ich beim Katzenfutter achten?

Für eine kohlenhydratarme Fütterung ist ein hochwertiges Nassfutter mit hohem Fleischanteil die einfachste Wahl. Achten Sie auf eine klare Fleischdeklaration, einen niedrigen Rest- beziehungsweise NfE-Wert und den Verzicht auf Zucker und große Mengen Stärke. Viel Feuchtigkeit ist ein zusätzlicher Vorteil, mehr dazu im Ratgeber Wasserbedarf der Katze. Die Grundlagen einer artgerechten Fütterung fasst der Beitrag Katzenernährung Grundlagen zusammen.

Was ich selbst füttere und empfehle, ist ein fleischreiches Anifit-Nassfutter: hoher Frischfleischanteil, ohne Zucker und Getreide und mit einem von Natur aus niedrigen Kohlenhydratanteil. So bekommt die Katze das, was zu ihrem Stoffwechsel passt.

Kostenfreie Ernährungsberatung für Katzen

Wie viele Kohlenhydrate verträgt meine Katze, und woran erkenne ich ein zu stärkereiches Futter? Solche Fragen tauchen in meiner Beratung oft auf. Als zertifizierte Ernährungsberaterin schaue ich mir Ihre Situation gemeinsam mit Ihnen an, kostenlos und persönlich. Wir klären zum Beispiel:

  • welches Futter wirklich fleischreich und kohlenhydratarm ist,
  • wie Sie den Kohlenhydratgehalt auf dem Etikett richtig einschätzen,
  • wie Sie behutsam auf ein kohlenhydratärmeres Nassfutter umstellen.
Jetzt kostenlose Beratung sichern!

Übrigens: Weitere wertvolle Tipps und Informationen rund um das Thema „Artgerechte Ernährung von Hunden und Katzen“ finden Sie in unserem Ernährungsratgeber. Außerdem haben wir für Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Anifit gesammelt.

Christina Williger - Anifit-Fachberaterin
Christina Williger, Zertifizierte
Ernährungsberaterin für Hunde & Katzen

Häufige Fragen zu Kohlenhydraten im Katzenfutter

Brauchen Katzen Kohlenhydrate?

Nein, nicht als eigenständigen Nährstoff. Die Katze ist ein strikter Fleischfresser und bildet die benötigte Glukose selbst aus Eiweiß. Kleine Mengen gut aufgeschlossener Stärke verträgt sie, einen Bedarf deckt sie damit aber nicht. Im Mittelpunkt sollten Fleisch, Fett und Feuchtigkeit stehen.

Wie viele Kohlenhydrate darf Katzenfutter enthalten?

Je weniger, desto besser. Hochwertiges Nassfutter liegt meist unter 10 Prozent in der Trockenmasse, das ist ein guter Richtwert. Trockenfutter erreicht oft 30 bis 50 Prozent. Einen festen Grenzwert gibt es nicht, ein niedriger Anteil passt aber am besten zum Stoffwechsel der Katze.

Warum steckt in Trockenfutter so viel Kohlenhydrat?

Trockenfutter benötigt Stärke als Bindemittel, damit die Kroketten ihre Form behalten und sich pressen lassen. Deshalb ist der Kohlenhydratanteil dort fast immer hoch, auch bei getreidefreien Sorten, die stattdessen Kartoffel oder Erbsen verwenden.

Sind Kohlenhydrate für Katzen schädlich?

In kleinen Mengen sind sie unbedenklich. Problematisch wird ein dauerhaft hoher Anteil: Er ist energiedicht und begünstigt Übergewicht, außerdem verdrängt er wertvolles tierisches Eiweiß im Napf. Schädlich ist also weniger die geringe Menge als das dauerhafte Zuviel.

Können Katzen Stärke überhaupt verdauen?

Begrenzt ja. Der Speichel der Katze enthält keine Amylase, und im Darm steht nur wenig davon bereit. Gut gekochte, aufgeschlossene Stärke kann die Katze in kleinen Mengen verwerten, große Mengen oder rohe Stärke überfordern ihren Stoffwechsel jedoch.

Machen Kohlenhydrate Katzen dick?

Indirekt. Kohlenhydratreiches Trockenfutter ist energiedicht und wird leicht in zu großen Mengen gefüttert, das führt zu Übergewicht. Entscheidend ist die Gesamtenergie und die Portionsgröße. Ein fleischreiches, kohlenhydratarmes Nassfutter macht es leichter, das Gewicht im Blick zu behalten.

Ist getreidefreies Futter automatisch kohlenhydratarm?

Nein. Getreidefrei bedeutet nur, dass kein Getreide enthalten ist. Der Stärkeanteil wird dann häufig über Kartoffeln, Erbsen oder Tapioka gedeckt und kann trotzdem hoch ausfallen. Schauen Sie deshalb auf den Rest- beziehungsweise NfE-Wert, nicht nur auf das Wort getreidefrei.

Wie erkenne ich den Kohlenhydratgehalt auf dem Etikett?

Kohlenhydrate werden selten direkt angegeben. Ziehen Sie Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Rohasche und Feuchtigkeit von 100 ab. Was übrig bleibt, ist der Rest oder NfE und entspricht im Wesentlichen den Kohlenhydraten. Bei gutem Nassfutter bleibt nur ein kleiner Wert übrig.

Sind Ballaststoffe auch Kohlenhydrate?

Ja, Ballaststoffe gehören zu den Kohlenhydraten, liefern aber keine Energie. Sie wandern weitgehend unverdaut durch den Darm und unterstützen in Maßen die Verdauung, die Kotkonsistenz und den Abtransport verschluckter Haare. Ein hoher Ballaststoffanteil ist etwas anderes als ein hoher Stärkeanteil.

Welches Futter ist für eine kohlenhydratarme Ernährung am besten?

Ein hochwertiges Nassfutter mit hohem Fleischanteil, ohne Zucker und ohne große Mengen Stärke. Es liefert tierisches Eiweiß, Fett und viel Feuchtigkeit und kommt dem natürlichen Stoffwechsel der Katze am nächsten. Achten Sie auf eine klare Fleischdeklaration und einen niedrigen Rest-Wert.

Fazit

Die Katze ist ein strikter Fleischfresser und braucht Kohlenhydrate nicht als eigenständigen Nährstoff. Kleine Mengen verträgt sie, ein dauerhaft hoher Anteil passt aber nicht zu ihrem Stoffwechsel und begünstigt Übergewicht. Wer auf ein fleischreiches Nassfutter mit niedrigem Rest-Wert setzt, liegt nah an dem, was die Katze von Natur aus braucht. Bei der Auswahl unterstütze ich Sie gern persönlich.

Quellen und weiterführende Informationen

  • FEDIAF (2024): Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food for Cats and Dogs.
  • Zentek, J. (2016): Ernährung der Katze, Enke Verlag.
  • National Research Council (2006): Nutrient Requirements of Dogs and Cats.
Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn doch mit Ihren Freunden!
Christina Williger - Zertifizierte Ernährungsberaterin für Hunde und Katzen | Anifit-Fachberaterin

Verfasst von: Christina Williger
Ernährungsberaterin für Hunde & Katzen | Anifit-Fachberaterin | Gründerin von Ihr-Futtershop.de | Autorin

Im Laufe meines Lebens durfte ich viele verschiedene Haustiere begleiten und wertvolle Erfahrungen im Umgang mit ihren ganz unterschiedlichen Bedürfnissen sammeln. Zusätzlich war ich fast 20 Jahre lang im Pferdesport sowie im Hundesport aktiv. Meine tiefe Verbundenheit zu Tieren hat mich dazu bewegt, als Autorin im Heimtierbereich tätig zu werden und mein Wissen sowie meine Erfahrungen mit anderen Tierhalterinnen und Tierhaltern zu teilen. Die gesundheitlichen Herausforderungen meines Hundes Aragon haben mich außerdem dazu inspiriert, mich zur zertifizierten Ernährungsberaterin für Hunde und Katzen weiterzubilden. Mit meinen Büchern, Ratgebern und Fachbeiträgen möchte ich das Bewusstsein für die Bedürfnisse unserer Haustiere schärfen, ihre Lebensqualität nachhaltig verbessern und einen Beitrag zu einem harmonischen Zusammenleben von Mensch und Tier leisten.