Getreide im Hundefutter: Gut oder schlecht? Sachlich bewertet

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„Getreide im Hundefutter ist doch nur billiger Füllstoff, oder?“ Diese Überzeugung höre ich in der Beratung fast täglich, und sie ist verständlich, denn „getreidefrei“ steht heute auf fast jeder Verpackung. Die Wahrheit ist differenzierter: Getreide ist weder das Allheilmittel noch der Bösewicht, als der es oft dargestellt wird. In diesem Beitrag zeige ich Ihnen sachlich, ob Hunde Getreide vertragen, welches Getreide gut oder problematisch ist und ob getreidefreies Futter wirklich besser ist. Wie es bei Katzen aussieht, die als reine Fleischfresser mit Getreide noch weniger anfangen können, lesen Sie im Ratgeber Getreide im Katzenfutter.

Getreide im Hundefutter: Gut oder schlecht? Sachlich bewertet
Getreide im Hundefutter: Gut oder schlecht? Sachlich bewertet

Getreide im Hundefutter: Das Wichtigste in Kürze

Getreide ist für die meisten Hunde gut verträglich, denn der Hund ist kein reiner Fleischfresser und kann aufgeschlossene Stärke dank reichlich Amylase gut verdauen. Entscheidend sind Art, Menge und Qualität: Gut aufgeschlossener Reis ist etwas anderes als billiger Weizenfüllstoff. Getreidefrei ist kein Qualitätsmerkmal an sich und eine echte Getreideunverträglichkeit ist selten.

  • Hunde können Getreide verdauen: im Lauf der Domestikation haben sie über das Gen AMY2B die Fähigkeit zur Stärkeverdauung ausgebaut
  • Gut verträglich: glutenarme oder glutenfreie, gut gegarte Sorten wie Reis, Hafer und Hirse
  • Eher kritisch: hohe Mengen billiger, glutenreicher Füllstoffe wie Weizen in stark getreidelastigen Futtern
  • Getreideallergie ist selten: die häufigsten Futterallergene sind tierische Eiweiße wie Rind, Milchprodukte und Huhn, nicht Getreide
  • Getreidefrei nicht automatisch besser: ein gutes Futter mit etwas Reis kann hochwertiger sein als ein minderwertiges getreidefreies Futter
  • Meine Empfehlung aus der Praxis: Achten Sie auf einen hohen Fleischanteil und eine klare Deklaration, nicht auf das Label „getreidefrei“.

Können Hunde Getreide überhaupt verdauen?

Ja, Hunde können Getreide gut verdauen, sofern die Stärke durch Kochen aufgeschlossen ist. Anders als die Katze ist der Hund kein reiner Fleischfresser, sondern ein Allesfresser, der pflanzliche Kost mitverwertet. Im Lauf der Domestikation hat er sich an die stärkereichere Kost des Menschen angepasst.

Der Schlüssel dazu ist das Enzym Amylase, das Stärke in verwertbaren Zucker zerlegt. Hunde besitzen über das Gen AMY2B deutlich mehr Genkopien für die Stärkeverdauung als der Wolf, eine genetische Anpassung, die in einer vielzitierten Studie beschrieben wurde (Axelsson et al., 2013). Interessant: Rassen aus Regionen mit wenig Ackerbau, etwa Huskys, haben tendenziell weniger dieser Genkopien und vertragen sehr getreidelastige Kost mitunter schlechter. Voraussetzung bleibt immer, dass Getreide gut gegart, also aufgeschlossen ist, denn rohe Stärke kann der Hund kaum nutzen. Mehr zur Einordnung pflanzlicher Anteile lesen Sie in meinem Ratgeber zu den Grundlagen der Hundeernährung.

Ist Getreide schlecht für Hunde?

Getreide ist nicht grundsätzlich schlecht für Hunde, dieser verbreitete Eindruck beruht auf Mythen und cleverem Marketing. Schlecht ist nicht das Getreide an sich, sondern wenn ein Futter zu einem großen Teil aus billigen Getreidefüllstoffen besteht und der Fleischanteil entsprechend niedrig ist. Es lohnt sich, drei hartnäckige Mythen zu trennen:

  • Mythos „Hunde können kein Getreide verdauen“: falsch, sie sind über die Amylase gut darauf eingestellt
  • Mythos „Getreide ist ein häufiger Allergieauslöser“: die häufigsten Futterallergene sind tierische Eiweiße wie Rind, Milchprodukte und Huhn, nicht Getreide
  • Mythos „Getreide macht dick“: Übergewicht entsteht durch zu viele Kalorien insgesamt, nicht durch Getreide allein

Eine echte Getreide- oder Glutenunverträglichkeit kommt vor, ist aber selten und eindeutig bislang nur bei wenigen Linien beschrieben, etwa beim Irish Setter. Wenn Ihr Hund tatsächlich auf Getreide reagiert, gehört das über eine Ausschlussdiät tierärztlich abgeklärt, nicht über das Bauchgefühl. Wie eine Futtermittelallergie wirklich diagnostiziert wird und welche Allergene führen, beschreibe ich im Ratgeber zur Futtermittelallergie und Juckreiz beim Hund.

Welches Getreide ist gut, welches eher kritisch?

Gut geeignet sind glutenarme oder glutenfreie, gut gegarte Sorten wie Reis, Hafer und Hirse, kritischer sind große Mengen glutenreicher Füllstoffe wie Weizen. Die Sorte und vor allem der Anteil entscheiden. Die folgende Tabelle ordnet die gängigen Getreide ein.

GetreideEinordnungHinweis
Reisgut geeignetglutenfrei, leicht verdaulich, ein Klassiker auch in der Schonkost
Hafergut geeignetglutenfrei (wenn nicht durch Herstellung verunreinigt), ballaststoffreich, gut bekömmlich
Hirsegut geeignetglutenfrei, liefert Mineralstoffe, gut verträglich
Maisin Maßen okaygut aufgeschlossen verträglich, in Billigfutter oft als reiner Füllstoff
Weizeneher kritischglutenreich, häufig als günstiger Füllstoff in hohen Mengen

Mein Praxis-Tipp: Reis ist in der Schonkost nicht ohne Grund der Klassiker, gut weichgekocht ist er besonders bekömmlich, etwa nach einem verdorbenen Magen. Wichtiger als die einzelne Getreidesorte ist aber, an welcher Stelle der Zutatenliste sie steht: Taucht ein Getreide ganz vorne und mehrfach auf, während Fleisch weit hinten rangiert, ist das ein Zeichen für ein füllstofflastiges Futter.

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Ob ein getreidehaltiges oder getreidefreies Futter zu Ihrem Hund passt, welche Kohlenhydratquelle er gut verträgt und woran Sie ein hochwertiges Futter erkennen, hängt von Rasse, Verträglichkeit und Gesundheit ab. Gemeinsam klären wir, welche Zusammensetzung zu Ihrem Hund passt, wie Sie die Zutatenliste richtig lesen und worauf Sie bei einer ausgewogenen Fütterung achten sollten.

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Übrigens: Weitere wertvolle Tipps und Informationen rund um das Thema „Artgerechte Ernährung von Hunden und Katzen“ finden Sie in unserem Ernährungsratgeber. Außerdem haben wir für Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Anifit gesammelt.

Christina Williger - Anifit-Fachberaterin
Christina Williger – Zertifizierte
Ernährungsberaterin für Hunde & Katzen

Ist getreidefreies Hundefutter wirklich besser?

Getreidefreies Hundefutter ist nicht automatisch besser, das Label allein sagt nichts über die Qualität aus. In meiner Beratung erlebe ich oft Überraschung, wenn wir die Zutatenliste eines teuren „getreidefrei“-Produkts gemeinsam durchgehen und dort vor allem Erbsen und Kartoffelstärke statt Fleisch finden. Sinnvoll ist es vor allem bei einer nachgewiesenen Unverträglichkeit. Für die meisten Hunde ist entscheidend, wie hochwertig das gesamte Futter ist, nicht ob ein Getreidekorn enthalten ist.

Wichtig ist dabei eine sachliche Einordnung: In getreidefreien Futtern wird Getreide oft durch große Mengen Hülsenfrüchte wie Erbsen oder Linsen ersetzt. Die US-Behörde FDA untersuchte einen möglichen Zusammenhang zwischen solchen Rezepturen und einer Herzerkrankung (DCM), konnte aber keinen ursächlichen Zusammenhang nachweisen. Das Risiko wird vor allem bei sehr hohem Hülsenfruchtanteil diskutiert. Die Botschaft ist nicht „getreidefrei ist gefährlich“, sondern: Ein Austausch von Zutaten macht ein Futter nicht automatisch besser. Getreidefrei ist dann die richtige Wahl, wenn Ihr Hund Getreide nachweislich nicht verträgt.

Getreidefrei sinnvoll beiGetreidefrei nicht nötig bei
nachgewiesener Getreide- oder Glutenunverträglichkeitgesunden Hunden ohne Beschwerden
chronischen Verdauungsproblemen, die auf Getreide zurückgehendem bloßen Wunsch nach einem Trend-Label
empfindlichen Rassen nach tierärztlicher EmpfehlungHunden, die hochwertiges Futter mit etwas Reis gut vertragen

Woran erkenne ich ein gutes Futter statt billiger Füllstoffe?

Ein gutes Futter erkennen Sie am hohen Fleischanteil und an einer klaren, vollständigen Deklaration, nicht am Label „getreidefrei“. Statt auf Schlagworte zu achten, lohnt der Blick auf die Zutatenliste und ihre Reihenfolge. Diese Punkte helfen bei der Bewertung:

  • Fleisch an erster Stelle: die Hauptzutat sollte Fleisch sein, nicht Getreide oder unklare „pflanzliche Nebenerzeugnisse“
  • Klare Deklaration: konkrete Angaben wie „Hühnermuskelfleisch 43 Prozent“ statt Sammelbegriffe wie „Getreide“ oder „pflanzliche Nebenerzeugnisse“
  • Getreide in Maßen: wenn Getreide enthalten ist, dann als kleinerer Anteil einer gut verträglichen Sorte, nicht als Hauptbestandteil
  • Keine unnötigen Zusätze: ohne Zucker, künstliche Farb-, Lock- und Konservierungsstoffe

Wie Sie Sammelbegriffe und die Volldeklaration richtig lesen, vertiefe ich im Ratgeber Hundefutter-Deklaration verstehen. Ich selbst füttere und empfehle Anifit-Nassfutter mit hohem Frischfleischanteil, glutenfrei und ohne billige Getreidefüllstoffe wie Weizen. Einige Sorten enthalten einen kleinen Anteil gut verträglichen Reis als glutenfreie Kohlenhydratquelle, andere kommen ganz ohne Getreide aus. Wer den pflanzlichen Anteil getreidefrei ergänzen möchte, kann zu den getreidefreien Anifit Gemüseflocken greifen. Mehr zur Rolle des Fleisches lesen Sie im Ratgeber zum Fleischanteil im Hundefutter.

Häufige Fragen zu Getreide im Hundefutter

Dürfen Hunde Getreide essen?

Ja, die meisten Hunde dürfen und vertragen Getreide gut. Anders als Katzen sind Hunde Allesfresser und können aufgeschlossene Stärke dank des Enzyms Amylase verdauen. Wichtig ist, dass das Getreide gut gegart und nicht der Hauptbestandteil des Futters ist.

Können Hunde Getreide verdauen?

Ja. Hunde haben im Lauf der Domestikation über das Gen AMY2B die Fähigkeit ausgebaut, Stärke zu verdauen, und besitzen dafür deutlich mehr Amylase als der Wolf. Voraussetzung ist, dass die Stärke durch Kochen aufgeschlossen wurde, denn rohe Stärke kann der Hund kaum nutzen.

Ist Getreide schlecht für Hunde?

Nein, nicht grundsätzlich. Schlecht ist nicht das Getreide selbst, sondern ein Futter, das überwiegend aus billigen Getreidefüllstoffen besteht und wenig Fleisch enthält. Gut verträgliche Sorten wie Reis in kleineren Mengen sind für die meisten Hunde unproblematisch.

Warum kein Getreide für Hunde?

Ein Verzicht ist nur bei nachgewiesener Unverträglichkeit nötig. Der verbreitete Rat, Getreide komplett zu meiden, beruht meist auf Marketing und Mythen. Für gesunde Hunde gibt es keinen zwingenden Grund, hochwertiges Futter mit etwas gut verträglichem Getreide zu meiden.

Ist getreidefreies Hundefutter besser?

Nicht automatisch. Getreidefrei ist kein Qualitätsmerkmal an sich, ein gutes Futter mit etwas Reis kann hochwertiger sein als ein minderwertiges getreidefreies Futter. Entscheidend sind hoher Fleischanteil, klare Deklaration und keine unnötigen Zusatzstoffe.

Welches Getreide ist gut für Hunde?

Gut geeignet sind glutenarme oder glutenfreie, gut gegarte Sorten wie Reis, Hafer und Hirse. Reis ist besonders bekömmlich und ein Klassiker der Schonkost. Eher kritisch sind große Mengen glutenreicher Füllstoffe wie Weizen in stark getreidelastigen Futtern.

Ist Reis ein Getreide und dürfen Hunde ihn essen?

Ja, Reis ist botanisch ein Getreide, aber ein glutenfreies und besonders gut verträgliches. Hunde dürfen gut gekochten Reis essen, er wird häufig in der Schonkost und als Kohlenhydratquelle in hochwertigem Futter eingesetzt.

Löst Getreide bei Hunden Allergien aus?

Selten. Die häufigsten Futterallergene sind tierische Eiweiße wie Rind, Milchprodukte und Huhn, nicht Getreide. Eine echte Getreide- oder Glutenunverträglichkeit kommt vor, ist aber selten und sollte über eine Ausschlussdiät tierärztlich abgeklärt werden.

Woran erkenne ich, dass mein Hund Getreide nicht verträgt?

Mögliche Anzeichen sind anhaltender Juckreiz, Hautprobleme oder Verdauungsbeschwerden. Diese sind aber unspezifisch und haben oft andere Ursachen. Verlässlich klären lässt sich eine Unverträglichkeit nur über eine tierärztlich begleitete Ausschlussdiät, nicht über einen Bluttest.

Wie viel Getreide darf im Hundefutter sein?

Eine feste Grenze gibt es nicht, entscheidend ist das Verhältnis. Fleisch sollte die Hauptzutat sein und Getreide ein kleinerer, gut verträglicher Anteil. Steht Getreide ganz vorne auf der Zutatenliste und Fleisch weit hinten, spricht das für ein füllstofflastiges Futter.

Zusammenfassung

Getreide im Hundefutter ist sachlich betrachtet weder Wundermittel noch Gift. Hunde können Stärke dank ihrer genetischen Anpassung und reichlich Amylase gut verdauen, solange das Getreide gut gegart ist. Gut verträglich sind glutenarme oder glutenfreie Sorten wie Reis, Hafer und Hirse, problematisch werden erst hohe Mengen billiger Füllstoffe wie Weizen bei niedrigem Fleischanteil.

Getreidefrei ist kein Qualitätssiegel, sondern nur bei nachgewiesener Unverträglichkeit wirklich nötig. Mein Fazit aus der Beratung: Lassen Sie sich nicht vom Label leiten, sondern schauen Sie auf den Fleischanteil und die Deklaration. Ein hochwertiges Futter mit etwas gut verträglichem Reis ist allemal besser als ein minderwertiges getreidefreies Produkt mit viel Füllmaterial.

Quellen und weiterführende Informationen

  • Axelsson, E. et al. (2013): „The genomic signature of dog domestication reveals adaptation to a starch-rich diet“, Nature 495, 360 bis 364, grundlegende Arbeit zur Stärkeverdauung und zum AMY2B-Gen beim Hund
  • Mueller, R.S., Olivry, T. & Prélaud, P. (2016): „Critically appraised topic on adverse food reactions of companion animals: common food allergen sources in dogs and cats“, BMC Veterinary Research, Übersicht zu den häufigsten Futterallergenen
  • FEDIAF (2024): „Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food for Cats and Dogs“, die maßgeblichen europäischen Ernährungsrichtlinien für Hunde- und Katzenfutter
  • U.S. Food and Drug Administration (FDA): Informationen zur Untersuchung eines möglichen Zusammenhangs zwischen getreidefreien Rezepturen mit hohem Hülsenfruchtanteil und dilatativer Kardiomyopathie (DCM)
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Christina Williger - Zertifizierte Ernährungsberaterin für Hunde und Katzen | Anifit-Fachberaterin

Verfasst von: Christina Williger
Ernährungsberaterin für Hunde & Katzen | Anifit-Fachberaterin | Gründerin von Ihr-Futtershop.de | Autorin

Im Laufe meines Lebens durfte ich viele verschiedene Haustiere begleiten und wertvolle Erfahrungen im Umgang mit ihren ganz unterschiedlichen Bedürfnissen sammeln. Zusätzlich war ich fast 20 Jahre lang im Pferdesport sowie im Hundesport aktiv. Meine tiefe Verbundenheit zu Tieren hat mich dazu bewegt, als Autorin im Heimtierbereich tätig zu werden und mein Wissen sowie meine Erfahrungen mit anderen Tierhalterinnen und Tierhaltern zu teilen. Die gesundheitlichen Herausforderungen meines Hundes Aragon haben mich außerdem dazu inspiriert, mich zur zertifizierten Ernährungsberaterin für Hunde und Katzen weiterzubilden. Mit meinen Büchern, Ratgebern und Fachbeiträgen möchte ich das Bewusstsein für die Bedürfnisse unserer Haustiere schärfen, ihre Lebensqualität nachhaltig verbessern und einen Beitrag zu einem harmonischen Zusammenleben von Mensch und Tier leisten.

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