BARF für Katzen: Mengen, Vorteile, Risiken und der ehrliche Aufwand-Check

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„Ist BARF nicht das Natürlichste, was ich meiner Katze geben kann?“ Diese Frage höre ich in der Beratung fast wöchentlich. Der Gedanke dahinter ist nachvollziehbar: Die Katze ist ein kleiner Jäger, und rohe Beute klingt nach Ursprünglichkeit. In der Praxis erlebe ich allerdings, wie schnell eine selbst zusammengestellte Rohration unausgewogen wird, gerade weil die Katze als reiner Fleischfresser keine Fehler verzeiht. In diesem Beitrag erkläre ich Ihnen ehrlich, was BARF bei der Katze kann, wo die Risiken lauern und wann eine einfachere Lösung die klügere ist.

BARF für Katzen: Mengen, Vorteile, Risiken und der ehrliche Aufwand-Check
BARF für Katzen: Mengen, Vorteile, Risiken und der ehrliche Aufwand-Check

BARF für Katzen: Das Wichtigste in Kürze

Beim BARFen (Biologisch Artgerechte Rohfütterung) stellen Sie die Ration aus rohem Fleisch, Innereien, einer Calciumquelle und gezielten Zusätzen selbst zusammen. Bei der Katze ist eine bedarfsdeckende Ration besonders heikel, weil sie als obligater Karnivor auf Taurin angewiesen ist: In der Untersuchung von Wilson et al. (UC Davis, 2019) erfüllte keine von 114 geprüften Heim-Rezepturen alle Nährstoff-Vorgaben. Was ein bedarfsdeckendes Katzenfutter ausmacht, erkläre ich in einem eigenen Ratgeber.

  • Tagesmenge als Faustregel: 2 bis 4 Prozent des Körpergewichts bei ausgewachsenen Katzen, also rund 30 Gramm Frischfutter pro Kilogramm, Kitten brauchen deutlich mehr
  • Klassische Aufteilung: rund 90 bis 95 Prozent tierisch (Muskelfleisch, Herz, Innereien, etwas Knochen) und nur etwa 5 Prozent pflanzlich, Obst gehört nicht hinein
  • Taurin ist der Knackpunkt: die Katze braucht es lebensnotwendig über die Nahrung, ein Mangel kann zu Netzhautdegeneration und dilatativer Kardiomyopathie führen
  • Studienlage: bei Wilson et al. (2019) lagen 50 von 94 auswertbaren Rezepturen unter dem Taurinbedarf, dazu fehlten häufig Cholin, Eisen, Zink und Vitamin E
  • Hygiene-Risiko: rohes Fleisch trägt potenziell Salmonellen, Listerien und Toxoplasmen, in einer niederländischen Stichprobe waren 20 Prozent salmonellenpositiv, 54 Prozent enthielten Listeria monocytogenes
  • Meine Empfehlung aus der Praxis: Wenn Sie Taurin, das Calcium-Phosphor-Verhältnis und die Hygiene nicht dauerhaft sicher im Blick behalten können, ist ein hochwertiges Nassfutter als Alleinfuttermittel meist die sicherere und unkompliziertere Lösung.

Was bedeutet BARF und passt es zur Katze?

BARF steht für „Biologisch Artgerechte Rohfütterung“ und meint eine selbst zusammengestellte Rohkost aus Fleisch, Innereien, einer Calciumquelle sowie gezielten Ergänzungen. Der australische Tierarzt Ian Billinghurst prägte das Konzept in den 1990er Jahren ursprünglich für Hunde. Die Idee dahinter: das Beutetier nachbilden, das eine Katze in freier Wildbahn fressen würde, also die Maus mit Muskelfleisch, Organen, Knochen und Fell.

Anders als beim Hund ist dieser Vergleich bei der Katze fachlich tragfähiger. Die Katze ist ein obligater Karnivor, ein strikter Fleischfresser, dessen Stoffwechsel sich nicht an pflanzliche Kost angepasst hat. Sie braucht Nährstoffe, die nur in tierischem Gewebe vorkommen, allen voran Taurin, Arachidonsäure und vorgebildetes Vitamin A. Genau das macht eine rohe Fleischration biologisch sinnvoll und zugleich anspruchsvoll: Was im Beutetier perfekt ausbalanciert ist, muss beim BARF aus einzelnen Komponenten korrekt nachgebaut werden. Mehr dazu lesen Sie in meinem Ratgeber zu den Grundlagen der Katzenernährung.

Welche Vorteile bietet BARF für Katzen?

Die Stärken von BARF liegen in Kontrolle, Frische und einem hohen Wasseranteil. Sie sehen jede Zutat, können einzelne Fleischsorten gezielt wählen und vermeiden alles, was Sie nicht im Napf haben wollen. Gerade der Feuchtigkeitsgehalt ist bei Katzen wertvoll, weil sie von Natur aus wenig trinken. Wichtig ist mir die ehrliche Einordnung: Mehrere dieser Pluspunkte erreichen Sie ebenso mit einem guten Nassfutter.

VorteilWas dahintersteckt
Volle Zutaten-KontrolleSie bestimmen jede Komponente, hilfreich bei Verdacht auf Unverträglichkeiten und für eine spätere Ausschlussdiät
Hoher Feuchtigkeitsgehaltrund 70 Prozent Wasser unterstützen die Flüssigkeitsaufnahme, ein echter Vorteil bei der trinkfaulen Katze
Keine industrielle Verarbeitungkeine Extrusion, keine Hochtemperatur-Trocknung, gilt allerdings auch für kaltabgefülltes Nassfutter
Individuell anpassbarFleischquelle und Fettgehalt lassen sich am Bedarf der einzelnen Katze ausrichten
Artgerechtes Beuteschemakommt dem natürlichen Nahrungsspektrum des obligaten Karnivoren nahe, sofern korrekt zusammengestellt

Mein Praxis-Hinweis: Beim Argument „weniger Allergien durch BARF“ bin ich vorsichtig. Eine Allergie verschwindet durch Rohfütterung nicht, der spürbare Effekt rührt einzig daher, dass das problematische Eiweiß im Napf fehlt. Diesen Verzicht erreichen Sie genauso mit einem klar deklarierten Monoprotein-Katzenfutter, das Ihnen die komplette Eigenbilanzierung der Ration erspart.

Wie berechne ich die richtige BARF-Menge für meine Katze?

Die Tagesmenge beim BARF liegt bei einer ausgewachsenen, normalgewichtigen Katze bei rund 2 bis 4 Prozent ihres Körpergewichts, als grobe Faustregel etwa 30 Gramm Frischfutter pro Kilogramm. Eine 4-Kilo-Katze bekommt also ungefähr 120 bis 160 Gramm pro Tag. Kitten im Wachstum brauchen deutlich mehr, bis zu 5 bis 6 Prozent, ältere oder ruhige Wohnungskatzen entsprechend weniger.

Diese Prozentangabe ist nur ein Ausgangswert. Eine quirlige Freigängerin liegt darüber, ein gemütlicher Stubentiger darunter. Für eine genauere Rechnung gehen Sie über den Energiebedarf, den ich in meinem Ratgeber „Wie viel Katzenfutter pro Tag?“ ausführlich erkläre. Die Grundformel lautet:

  • Ruhebedarf (RER): 70 × Körpergewicht in Kilogramm hoch 0,75
  • Tagesbedarf: RER × Aktivitäts-Faktor (kastrierte Wohnungskatze: rund 1,2 bis 1,4, aktive Freigängerin: 1,4 bis 1,6, Kitten: deutlich höher)

Im nächsten Schritt wird die Gesamtmenge aufgeteilt. Bei der Katze ist der tierische Anteil mit rund 90 bis 95 Prozent deutlich höher als beim Hund, der pflanzliche Teil bleibt klein. So sieht eine übliche Aufteilung aus:

KomponenteAnteil an der GesamtrationBeispiel bei der 4-kg-Katze (140 g/Tag)
Muskelfleischrund 60 bis 70 Prozent85 bis 100 g
Herz (als Muskelfleisch, taurinreich)rund 10 bis 15 Prozent15 bis 20 g
Innereien (Leber, Niere)rund 10 bis 15 Prozent15 bis 20 g
Knochen oder Calciumquellerund 3 bis 5 Prozent5 bis 7 g
Gemüse (fein püriert)rund 5 Prozent7 g
Öle und Zusätzegeringe Mengennach Bedarf

Diese Tabelle macht zugleich sichtbar, warum BARF bei der Katze so fehleranfällig ist. Eine Katze frisst täglich nur rund 140 Gramm, eine Verschiebung von wenigen Gramm bei Innereien oder Calcium verändert die Versorgung sofort spürbar. Was beim 30-Kilo-Hund im Rauschen untergeht, schlägt bei der kleinen Katze direkt durch. Sehen Sie die Werte daher als Orientierungsrahmen, nicht als fertige, bedarfsdeckende Ration.

Wie wird eine BARF-Ration für Katzen bedarfsdeckend? (Taurin und Co.)

Eine BARF-Ration für Katzen wird erst durch gezielte Ergänzungen bedarfsdeckend, weil Muskelfleisch allein zentrale Nährstoffe nicht ausreichend liefert. An erster Stelle steht Taurin: Die Katze kann diese Aminosäure kaum selbst bilden und muss sie über die Nahrung aufnehmen. Roher Hitzeeinfluss entfällt beim BARF zwar, dafür geht Taurin beim Wässern, Auftauen und Zerkleinern verloren, weshalb herzreiche Komponenten und oft eine direkte Ergänzung nötig sind.

Taurin ist nicht die einzige Baustelle, weitere Nährstoffe entscheiden ebenso über eine vollständige Ration. Welche das sind und woraus erfahrene Barfer sie gewinnen, fasst die folgende Tabelle zusammen:

Kritischer NährstoffWarum er fehltÜbliche Quelle beim BARF
TaurinKatze bildet kaum eigenes, Verluste bei Lagerung und VerarbeitungHerz, dunkles Muskelfleisch, gezielte Taurin-Ergänzung
CalciumMuskelfleisch ist sehr calciumarmfrische Knochen, Knochenmehl, Eierschalenpulver, Algenkalk
Jodin Fleisch kaum enthaltenSeealgenmehl, genau dosiert
Vitamin EBedarf steigt mit dem Fettgehalt der RationVitamin-E-Zusatz, passend zum Ölanteil
Omega-3 (EPA/DHA)Muskelfleisch ist arm an marinen FettsäurenLachsöl, Fischöl
Kupfer, Zink, Manganoft grenzwertig versorgtInnereien, gezielte Spurenelement-Zusätze

Wie häufig genau hier Fehler passieren, zeigt die wichtigste Untersuchung zum Thema. Wilson, Villaverde, Fascetti und Larsen prüften an der University of California, Davis 114 Rezepturen für selbst zubereitete Katzenrationen aus Büchern und dem Internet (Journal of the American Veterinary Medical Association, 2019). Das Ergebnis war eindeutig: keine einzige Rezeptur erfüllte alle Nährstoff-Vorgaben des NRC. 50 von 94 auswertbaren Rezepturen lagen unter dem Taurinbedarf, 72 unter dem Cholinbedarf, dazu fehlten häufig Eisen, Zink, Mangan, Vitamin E und Kupfer. In 8 Rezepturen fanden sich sogar potenziell giftige Zutaten wie Zwiebeln oder Knoblauch.

Mein Fazit aus der Beratung: Wenn keine der Rezepturen vollständig bedarfsdeckend war, darunter auch solche von Tierärztinnen und Tierärzten, dann ist die Ergänzung kein Detail, sondern der Kern der Methode. Eine Katzen-BARF-Ration sollte deshalb von ernährungsspezialisierten Tierärzten oder spezialisierten Ernährungsberatern berechnet werden, nicht aus einer App oder einem Forenbeitrag.

Welche Nachteile und Risiken hat BARF bei der Katze?

Bei der Katze verteilen sich die Schwächen von BARF auf vier Felder: die Hygiene, die Bedarfsdeckung, das katzeneigene Taurin-Problem und den Aufwand. Einzeln betrachtet ist keiner dieser Punkte ein Ausschlusskriterium. Erst zusammen erklären sie, warum Rohfütterung bei der Katze in der Praxis so häufig misslingt. Ich gehe die Felder nacheinander durch.

Hygiene und Zoonose-Risiko: der unterschätzte Punkt

Rohes Fleisch trägt potenziell krankmachende Keime, das ist beim BARF der am besten belegte Nachteil. Eine niederländische Untersuchung von 35 kommerziellen Rohfutter-Produkten (van Bree et al., 2018) fand in 20 Prozent Salmonellen, in 54 Prozent Listeria monocytogenes und in 80 Prozent antibiotikaresistente E. coli. In 6 Prozent der Proben steckte Toxoplasma gondii, ein Erreger, der besonders für Schwangere relevant ist.

Bei der Katze kommt eine Besonderheit hinzu: Sie ist der Endwirt von Toxoplasma gondii und kann den Erreger nach dem Fressen von rohem, infiziertem Fleisch über den Kot ausscheiden. Das Risiko endet also nicht im Napf, sondern wandert über Katzenklo, Pfoten und Oberflächen in den Haushalt. Diese Keime sind genau dort gefährlich, wo Menschen empfindlich reagieren.

Daher gilt beim BARFen eine Reihe von Hygieneregeln als Pflicht, an der es kein Vorbeikommen gibt:

  • separate Schneidebretter, Messer und Schüsseln nur für rohes Fleisch
  • nach jedem Kontakt Hände gründlich waschen, Flächen heiß reinigen
  • durchgehende Kühlkette, sauberes Auftauen im Kühlschrank, nichts bei Raumtemperatur stehen lassen
  • Napf und Katzenklo konsequent reinigen, Futterreste sofort entfernen

Wichtig: Lebt im Haushalt ein Kleinkind, eine ältere oder schwangere Person oder jemand mit geschwächtem Immunsystem, sollten Sie von BARF eher absehen, denn gerade diese Menschen erkranken an den genannten Keimen am ehesten schwer. Rohes Schweinefleisch ist tabu, weil das auch für Katzen tödliche Aujeszky-Virus übertragen werden kann.

Taurinmangel: das katzenspezifische Risiko

Das größte katzenspezifische Risiko beim BARF ist ein Taurinmangel, weil seine Folgen schwer und teils irreversibel sind. Fehlt Taurin dauerhaft, drohen eine zentrale Netzhautdegeneration bis zur Erblindung und eine dilatative Kardiomyopathie, eine lebensbedrohliche Erweiterung des Herzmuskels. Das Tückische daran: Eine Katze zeigt oft monatelang keine Symptome, während sich der Mangel bereits aufbaut. Wie zentral diese Aminosäure ist, vertiefe ich in meinem Ratgeber zu Taurin im Katzenfutter.

Bedarfslücken und Fehlversorgung

Neben dem Taurin sind unvollständige Rationen die zweite große ernährungsphysiologische Schwachstelle, also Werte, die unterm Strich nicht aufgehen. Was die Wilson-Studie zeigt, ist typisch: Es hapert immer wieder an Calcium, Cholin, Eisen, Kupfer, Zink sowie den Vitaminen A und E. Stimmt das Calcium-Phosphor-Verhältnis nicht, leidet das Skelett, und wer es mit der Leber zu gut meint, riskiert über das Vitamin A eine Überversorgung mit eigenen Risiken.

Aufwand und der Knackpunkt Urlaub

BARF ist die aufwändigste der gängigen Fütterungsformen, und das wird vorab oft unterschätzt. Sie kaufen verschiedene Fleischsorten, Herz und Innereien ein, portionieren, frieren ein und tauen auf, wiegen kleine Gramm-Mengen ab und behalten Taurin, Calcium und Zusätze im Blick. Spätestens auf Reisen wird das zum echten Problem, weil rohes Fleisch an eine durchgehende Kühlkette gebunden ist. Im Ferienhaus fehlt der Gefrierplatz, in der Katzenpension lässt sich eine korrekte Rohration kaum zuverlässig umsetzen.

  • Transport: gefrorene Tagesportionen brauchen Kühlbox und Zeitplan, unterwegs schwer zu handhaben
  • Unterkunft: ohne Gefrier- und Kühlmöglichkeit fällt BARF schlicht aus
  • Betreuung: Katzensitter oder Pension müssten Ration und Hygieneregeln korrekt einhalten, das überfordert viele

Eine fertige Dose oder ein Tetra Pak braucht weder Kühlkette noch Waage noch Rezeptberechnung, sie sind sofort einsatzbereit und problemlos lagerfähig. Dass dieser schlichte Alltags- und Reisevorteil bei der Futterwahl so selten mitbedacht wird, gehört für mich zu den größten Versäumnissen der Diskussion.

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Welche Fütterung am Ende passt, ob volles BARF, eine Teil-Rohfütterung oder ein gutes Nassfutter, entscheidet sich an Ihrer Katze, Ihrem Tagesablauf und dem, was Sie dauerhaft leisten möchten. Gemeinsam schauen wir, welche Fütterung in Ihren Alltag passt, wie Sie die Taurinversorgung zuverlässig absichern und wie der Wechsel des Futters gelingt, ohne dass der empfindliche Katzenmagen rebelliert.

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Übrigens: Weitere wertvolle Tipps und Informationen rund um das Thema „Artgerechte Ernährung von Hunden und Katzen“ finden Sie in unserem Ernährungsratgeber. Außerdem haben wir für Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Anifit gesammelt.

Christina Williger - Anifit-Fachberaterin
Christina Williger – Zertifizierte
Ernährungsberaterin für Hunde & Katzen

Für welche Katzen ist BARF eher ungeeignet?

Für manche Katzen und Haushalte wäre ich beim BARFen besonders zurückhaltend, weil sich ein Fehler hier am deutlichsten rächt. Das ist kein generelles Nein, sondern eine ehrliche Risiko-Abwägung. In diesen Konstellationen rate ich zu Vorsicht oder mindestens zu enger fachlicher Begleitung:

  • Kitten im Wachstum: ein falsches Calcium-Phosphor-Verhältnis oder ein Taurinmangel wirkt sich im Aufbau besonders schwer aus
  • Katzen mit Nierenerkrankung: sie brauchen eine gezielt angepasste Phosphor- und Proteinversorgung, die selbst zusammengestellt schwer einzuhalten ist
  • Immungeschwächte oder chronisch kranke Katzen: sie reagieren empfindlicher auf eine Keimbelastung
  • Haushalte mit Risikopersonen: Kleinkinder, Seniorinnen, Schwangere und immungeschwächte Menschen sind durch Zoonosen wie Toxoplasmose besonders gefährdet

Wer sich mit der passenden Eiweißauswahl und besonders empfindlichen Katzen näher befassen möchte, findet weiterführende Hilfe in meinen Ratgebern zur Futtermittelallergie bei der Katze und zum Fleischanteil im Katzenfutter.

Was ist die sicherere und einfachere Alternative zu BARF?

Im Alltag spielt ein hochwertiges Nassfutter als Alleinfuttermittel die sicherere und bequemere Alternative zu BARF aus. Es bringt genau das mit, was viele am Rohfutter mögen, nämlich viel Frischfleisch und einen hohen Wasseranteil, lässt aber die drei größten Risiken der Rohfütterung bei Katzen weg: das Taurin-Problem, die fehleranfällige Eigenberechnung und die Keimbelastung durch rohes Fleisch.

Aus diesem Grund setze ich selbst auf Anifit-Katzenfutter und empfehle es auch in der Beratung. Die Katzenmenüs enthalten mindestens 94 Prozent Frischfleisch in Lebensmittelqualität, werden schonend kaltabgefüllt und verzichten auf Zucker, Getreide sowie Lock-, Farb- und Konservierungsstoffe. Da Taurin als Alleinfuttermittel zugesetzt ist, deckt eine Portion den Bedarf einer gesunden Katze vollständig, ohne dass Sie selbst rechnen oder ergänzen müssen.

KriteriumBARFHochwertiges Nassfutter
Taurinversorgungnur bei korrekter Zusammenstellung und Ergänzung gesichertstandardisiert zugesetzt, sichere Versorgung
Bedarfsdeckungnur bei korrekter Berechnung und Supplementierungals Alleinfuttermittel gesichert
Hygienerohes Fleisch, Zoonose-Risiko, strenge Regeln nötigthermisch haltbar gemacht, kein Rohfleisch-Risiko
Aufwandhoch (Einkauf, Wiegen, Einfrieren, Rechnen)gering (öffnen, portionieren, fertig)
Urlaub und unterwegsan Kühlkette gebunden, schwer transportabelungekühlt lagerfähig, sofort einsetzbar

Wenn Sie den Reiz des Rohen mögen, aber nicht die ganze Tagesration selbst zusammenstellen wollen, bietet Anifit gefriergetrockneten Trockenbarf als Ergänzung an. Meine klare Empfehlung aus der Praxis lautet trotzdem: Als zuverlässige Grundlage für jeden Tag ist ein gutes Nassfutter die sicherere und unkompliziertere Lösung. Möchten Sie von der Rohfütterung wechseln, begleitet Sie mein Ratgeber zur Futterumstellung bei der Katze Schritt für Schritt.

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Häufige Fragen zu BARF für Katzen

Wie viel BARF braucht meine Katze pro Tag?

Eine ausgewachsene, normalgewichtige Katze bekommt rund 2 bis 4 Prozent ihres Körpergewichts an Frischfutter pro Tag, als Faustregel etwa 30 Gramm pro Kilogramm. Bei 4 Kilo sind das ungefähr 120 bis 160 Gramm. Kitten brauchen deutlich mehr, ältere Katzen oft weniger.

Ist BARF gesünder als Nassfutter für Katzen?

Das ist nicht belegt. BARF kann bedarfsdeckend sein, ist es in der Praxis aber selten: In der UC-Davis-Studie von 2019 erfüllte keine von 114 Rezepturen alle Vorgaben. Ein gutes Nassfutter als Alleinfuttermittel deckt den Bedarf gesichert und ohne Eigenberechnung.

Warum ist Taurin beim BARF für Katzen so wichtig?

Taurin ist für Katzen lebensnotwendig und kann kaum selbst gebildet werden. Ein dauerhafter Mangel kann zu Netzhautdegeneration und dilatativer Kardiomyopathie führen. Beim BARF geht Taurin durch Lagerung und Verarbeitung verloren, deshalb sind herzreiche Komponenten und meist eine gezielte Ergänzung nötig.

Welche Nährstoffe muss ich beim BARF für Katzen ergänzen?

Kritisch sind vor allem Taurin, Calcium, Jod, Vitamin E, Omega-3 sowie Kupfer, Zink und Mangan. Calcium kommt über Knochen oder Knochenmehl, Jod über Seealgenmehl, Omega-3 über Lachs- oder Fischöl. Eine fachliche Rationsberechnung ist hier dringend zu empfehlen.

Wie gefährlich ist rohes Fleisch für meine Katze und mich?

Rohes Fleisch trägt potenziell Salmonellen, Listerien und Toxoplasmen. Die Katze kann Toxoplasma gondii nach dem Fressen über den Kot ausscheiden, was besonders für Schwangere relevant ist. Strenge Hygiene ist Pflicht, in Haushalten mit Risikopersonen ist BARF kritisch.

Wie viel Fleischanteil braucht eine BARF-Ration für Katzen?

Der tierische Anteil liegt bei der Katze deutlich höher als beim Hund, bei rund 90 bis 95 Prozent. Der pflanzliche Teil bleibt mit etwa 5 Prozent klein, Obst gehört nicht hinein. Als obligater Karnivor ist die Katze auf einen sehr hohen Fleischanteil angewiesen.

Darf ich Knochen roh an meine Katze verfüttern?

Rohe, fleischige Knochen passender Größe dienen als Calciumquelle, müssen aber zur Katze passen und dürfen niemals gekocht oder zu groß sein. Sicherer und genauer dosierbar sind Knochenmehl oder Eierschalenpulver. Ein falscher Knochenanteil verschiebt das Calcium-Phosphor-Verhältnis schnell.

Für welche Katzen ist BARF nicht geeignet?

Vorsicht gilt bei Kitten im Wachstum, bei Katzen mit Nierenerkrankung, bei immungeschwächten oder chronisch kranken Tieren und in Haushalten mit Kleinkindern, Schwangeren oder Senior:innen. Hier überwiegen die Risiken einer Fehlversorgung oder Keimbelastung.

Wie stelle ich meine Katze von BARF auf Nassfutter um?

Am besten langsam über 7 bis 14 Tage, indem Sie den Anteil des neuen Futters schrittweise erhöhen. Katzen sind beim Futter eigen, daher lohnt oft ein noch langsameres Tempo. Wie eine sanfte Umstellung gelingt, bespreche ich gerne in einer kostenlosen Beratung individuell.

Ist Trockenbarf dasselbe wie BARF?

Nein. Trockenbarf bezeichnet gefriergetrocknete Fleischprodukte, die das Keim- und Kühlproblem reduzieren, aber als Snack oder Ergänzung gedacht sind, nicht als bedarfsdeckende Tagesration. Als verlässliche Basis für die Katze ist ein Alleinfuttermittel die sicherere Wahl.

Zusammenfassung

BARF für Katzen hat einen nachvollziehbaren Reiz, denn die Katze ist als obligater Karnivor tatsächlich auf eine fleischbetonte Ernährung ausgelegt. Eine bedarfsdeckende Rohration ist möglich, verlangt aber eine sichere Taurinversorgung, ein korrektes Calcium-Phosphor-Verhältnis, gezielte Supplementierung und konsequente Hygiene. Die Studienlage zeigt, dass genau das in der Praxis fast immer misslingt, mit keiner einzigen vollständig bedarfsdeckenden Rezeptur unter 114 geprüften in der UC-Davis-Untersuchung.

Rechnet man den großen Aufwand bei Einkauf, Lagerung und gerade im Urlaub hinzu, fällt mein ehrlicher Rat aus der Beratung klar aus: Wer diese Sorgfalt nicht dauerhaft aufbringen kann oder möchte, fährt mit einem hochwertigen Nassfutter als Alleinfuttermittel sicherer und bequemer. Es bietet die geschätzten Pluspunkte der Frischfütterung, ohne das katzentypische Taurin-Risiko und die Hygiene-Schwäche der Rohkost mitzuschleppen.

Quellen und weiterführende Informationen

  • Wilson, S.A., Villaverde, C., Fascetti, A.J. & Larsen, J.A. (2019): „Evaluation of the nutritional adequacy of recipes for home-prepared maintenance diets for cats“, Journal of the American Veterinary Medical Association 254(10), 1172 bis 1179, die zentrale Untersuchung zu Nährstoffmängeln in selbst zubereiteten Katzenrationen
  • van Bree, F.P.J. et al. (2018): „Zoonotic bacteria and parasites found in raw meat-based diets for cats and dogs“, Veterinary Record 182(2), 50, niederländische Studie zur Keim- und Parasitenbelastung kommerzieller Rohfutter-Produkte
  • FEDIAF (2024): „Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food for Cats and Dogs“, die maßgeblichen europäischen Ernährungsrichtlinien für Hunde- und Katzenfutter
  • Iben, C., Liesegang, A., Wichert, B. & Wolf, P. (2021): „Ernährung der Katze, Grundlagen, Fütterung, Diätetik“, Thieme Verlag, das deutschsprachige Standardwerk zur Katzenernährung mit Bedarfswerten und Diätetik
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Christina Williger - Zertifizierte Ernährungsberaterin für Hunde und Katzen | Anifit-Fachberaterin

Verfasst von: Christina Williger
Ernährungsberaterin für Hunde & Katzen | Anifit-Fachberaterin | Gründerin von Ihr-Futtershop.de | Autorin

Im Laufe meines Lebens durfte ich viele verschiedene Haustiere begleiten und wertvolle Erfahrungen im Umgang mit ihren ganz unterschiedlichen Bedürfnissen sammeln. Zusätzlich war ich fast 20 Jahre lang im Pferdesport sowie im Hundesport aktiv. Meine tiefe Verbundenheit zu Tieren hat mich dazu bewegt, als Autorin im Heimtierbereich tätig zu werden und mein Wissen sowie meine Erfahrungen mit anderen Tierhalterinnen und Tierhaltern zu teilen. Die gesundheitlichen Herausforderungen meines Hundes Aragon haben mich außerdem dazu inspiriert, mich zur zertifizierten Ernährungsberaterin für Hunde und Katzen weiterzubilden. Mit meinen Büchern, Ratgebern und Fachbeiträgen möchte ich das Bewusstsein für die Bedürfnisse unserer Haustiere schärfen, ihre Lebensqualität nachhaltig verbessern und einen Beitrag zu einem harmonischen Zusammenleben von Mensch und Tier leisten.