Magnesium hat bei Katzen einen zwiespältigen Ruf: Einerseits ist es lebensnotwendig, andererseits steckt es im Namen der häufigsten Blasensteine, den Struvitsteinen. In der Beratung höre ich deshalb oft die Frage, ob man Magnesium besser meiden sollte. Die Antwort ist differenzierter, denn zu wenig kann genauso Probleme machen wie zu viel. In diesem Ratgeber erkläre ich Ihnen, wofür die Katze Magnesium braucht, welche Rolle es bei Struvit spielt und warum ein gutes Maß wichtiger ist als pauschales Weglassen.

Magnesium für Katzen: Das Wichtigste in Kürze
Magnesium ist für die Katze ein unentbehrlicher Mineralstoff für Knochen, Muskeln und den Energiestoffwechsel. Es ist zugleich Bestandteil von Struvitsteinen, deshalb kommt es auf das richtige Maß an, nicht auf möglichst wenig.
- Magnesium ist an über 300 Enzymreaktionen beteiligt und sitzt zum Großteil in den Knochen.
- Struvit ist Magnesium-Ammonium-Phosphat und macht zusammen mit Calciumoxalat über 80 Prozent der Blasensteine bei Katzen aus.
- Für Struvit zählen vor allem ein hoher Harn-pH und konzentrierter Urin, der Magnesiumgehalt allein ist oft weniger entscheidend.
- Zu starkes Absenken von Magnesium und zu saurer Urin verschieben das Risiko in Richtung Calciumoxalat.
- Ein echter Magnesiummangel ist bei gesunden Katzen selten und meist Folge einer Erkrankung.
- Mein Praxis-Tipp: ein ausgewogenes Nassfutter und viel Flüssigkeit statt eigenmächtigem Hoch- oder Runterregeln von Magnesium.
Wozu braucht eine Katze Magnesium?
Die Katze braucht Magnesium für die Knochen, die Muskel- und Nervenfunktion, den Herzrhythmus und den Energiestoffwechsel. Der Mineralstoff ist an über 300 Enzymreaktionen beteiligt, der größte Teil sitzt im Skelett. Ohne ausreichend Magnesium funktionieren also viele Grundprozesse nicht richtig.
Magnesium ist damit weit mehr als nur der Stoff aus den Steinen, mit dem es oft in einen Topf geworfen wird. Wie es in das Gesamtbild der Mineralstoffe passt, lesen Sie im Ratgeber zu den Vitaminen und Spurenelementen für Katzen.
Wie viel Magnesium braucht eine Katze?
Der Magnesiumbedarf der Katze ist klein und wird über ein vollständiges Alleinfutter zuverlässig gedeckt. Als grobe Orientierung nennt das NRC ein Minimum um 0,04 Prozent der Trockensubstanz. Wichtiger als die exakte Zahl ist, im ausgewogenen Bereich zu bleiben, weder deutlich darunter noch darüber.
Bei einem guten Fertigfutter müssen Sie hier nichts rechnen. Heikel wird es nur bei selbst zusammengestellten Rationen, wenn Magnesium entweder fehlt oder über Zusätze unbeabsichtigt zu hoch wird. Wer roh füttert, sollte rohes Fleisch hygienisch sauber verarbeiten, also getrennte Schneidebretter nutzen, gekühlt lagern und die Hände gründlich waschen. Wie eine ausgewogene Rohration aussieht, steht im Ratgeber zu BARF für Katzen.
Welche Futtermittel liefern Katzen Magnesium?
Magnesium steckt vor allem in tierischen Geweben, die die Katze ohnehin frisst, allerdings meist in eher kleinen Mengen. Die ergiebigste tierische Quelle sind fettreiche Fische mit weichen Gräten wie Sardine oder Makrele. Fleisch, Innereien, Knochen und ein gelegentliches Ei liefern zusätzlich, pflanzliche Anteile wie Kleie oder Samen sind zwar magnesiumreich, spielen in der Katzenration aber nur eine Nebenrolle.
| Quelle | Magnesiumgehalt | Hinweis für die Katze |
|---|---|---|
| Fetter Fisch mit Gräten (Sardine, Makrele) | am ergiebigsten | liefert zugleich Calcium und Omega-3 |
| Knochen, Knochenmehl | gut | Teil einer durchgerechneten Rohration, gekochte Knochen tabu |
| Muskelfleisch | gering | verlässliche Basis im Futter |
| Innereien, Leber | gering bis mittel | in Maßen wegen Vitamin A |
| Ei (gekocht) | gering | leicht verdauliches Eiweiß, als Beigabe |
| Kleie, Samen, Blattgemüse | hoch, aber Nebenrolle | für Carnivoren nur kleine Mengen |
In einem vollständigen Alleinfutter ist Magnesium aus diesen Quellen bereits ausgewogen eingestellt. Wie viel über Fisch in die Ration kommt, hängt davon ab, ob die Gräten mitverarbeitet werden. Fleisch bildet die Basis, und auch Innereien wie Leber tragen einen kleinen Teil bei. Bei selbst zusammengestellten Rationen kommt es darauf an, dass die Summe im ausgewogenen Bereich bleibt, weder zu wenig noch zu viel.
Welche Rolle spielt Magnesium bei Struvitsteinen?
Magnesium ist ein Baustein von Struvit, dem Magnesium-Ammonium-Phosphat. Struvit gehört mit Calciumoxalat zu den beiden häufigsten Blasensteinen der Katze und macht zusammen mit diesem über 80 Prozent aus. Für die Bildung zählen aber mehrere Faktoren, nicht nur Magnesium.
Entscheidend sind ein hoher Harn-pH über etwa 6,5, ein stark konzentrierter Urin und erhöhte Mengen an Magnesium und Phosphor im Harn. Untersuchungen zeigen, dass der Harn-pH oft wichtiger ist als der Magnesiumgehalt im Futter allein. Wie sich die Fütterung auf Struvit- und Oxalatsteine auswirkt, habe ich im Ratgeber zu Harnsteinen bei der Katze beschrieben. Viel trinken hilft, den Urin zu verdünnen, mehr dazu im Ratgeber zum Wasserbedarf der Katze.
Kostenfreie Ernährungsberatung für Katzen
Beim Thema Magnesium und Harngesundheit ist viel Halbwissen im Umlauf, und pauschales Meiden ist selten die Lösung. Als zertifizierte Ernährungsberaterin helfe ich Ihnen kostenlos und persönlich. Wir klären zum Beispiel:
- ob das Futter Ihrer Katze die Harngesundheit gut unterstützt,
- wie Sie die Flüssigkeitsaufnahme Ihrer Katze erhöhen,
- wie Sie bei einem Kristall- oder Steinthema mit der Tierarztpraxis zusammenarbeiten.

Ernährungsberaterin für Hunde & Katzen
Ist wenig Magnesium für die Katze automatisch besser?
Nein. Magnesium pauschal zu meiden, ist der falsche Schluss. Als die Futter über Jahre immer magnesiumärmer und säuernder wurden, um Struvit zu verhindern, nahm dafür ein anderer Steintyp zu: Calciumoxalat. Beim Oxalat wirkt Magnesium sogar als Hemmstoff.
Ein zu stark gesenkter Magnesiumgehalt und ein dauerhaft sehr saurer Urin verschieben das Risiko also nur von einem Stein zum anderen. Genau deshalb ist Magnesium kein Stoff, den man eigenmächtig herunterregeln sollte. Ein ausgewogenes Futter trifft das richtige Maß besser als jeder Versuch, einen einzelnen Mineralstoff zu optimieren. Bei einem konkreten Steinproblem gehört die Futterwahl ohnehin in tierärztliche Hand, weil Spezialdiäten gezielt auf den jeweiligen Steintyp abgestimmt sind.
Kann eine Katze einen Magnesiummangel haben?
Ein Magnesiummangel ist bei gesunden Katzen mit gutem Futter selten. Wenn er auftritt, ist er meist Folge einer Erkrankung, etwa starker Verluste über den Darm, einer entgleisten Zuckerkrankheit oder einer längeren Klinikbehandlung. Anzeichen können Muskelschwäche und Herzrhythmusstörungen sein.
Das bedeutet: Über die normale Fütterung müssen Sie sich um einen Mangel kaum Sorgen machen. Tritt er auf, steckt fast immer eine Grunderkrankung dahinter, die tierärztlich behandelt wird. Wie die Ernährung bei einer Zuckerkrankheit aussieht, habe ich im Ratgeber zu Diabetes bei der Katze beschrieben.
Was ich in der Beratung empfehle
Ich empfehle für die Harngesundheit zwei Dinge, die mehr bringen als jedes Herumdrehen am Magnesium: ein ausgewogenes Nassfutter und eine gute Flüssigkeitsaufnahme. Das Nassfutter liefert von Natur aus viel Wasser und unterstützt so einen verdünnten Urin. Einen Überblick über die Sorten finden Sie beim Anifit-Katzenfutter.
Von eigenmächtigen Magnesium-Präparaten oder extrem magnesiumarmen Rationen ohne tierärztlichen Grund rate ich ab, weil sie das Steinrisiko eher verschieben als senken. Passende Ergänzungen für gesunde Katzen finden Sie auf der Seite zu den Nahrungsergänzungen für Katzen. Hat Ihre Katze bereits Kristalle oder Steine, stimme ich die Fütterung immer mit der behandelnden Tierärztin oder dem Tierarzt ab. Wie alles zusammenspielt, ordnet mein Ratgeber zu den Grundlagen der Katzenernährung ein.
Häufige Fragen zu Magnesium für Katzen
Ist Magnesium schlecht für Katzen?
Nein, Magnesium ist lebensnotwendig. Es ist nur Bestandteil von Struvitsteinen, weshalb es einen schlechten Ruf hat. Problematisch ist nicht der Stoff selbst, sondern ein Zuviel zusammen mit einem hohen Harn-pH und konzentriertem Urin. Auf das Maß kommt es an.
Verursacht magnesiumreiches Futter Blasensteine bei Katzen?
Nicht allein. Für Struvit zählen vor allem ein hoher Harn-pH und wenig verdünnter Urin. Der Magnesiumgehalt im Futter spielt eine Rolle, ist aber oft weniger entscheidend als der pH-Wert. Viel trinken und ein ausgewogenes Futter sind wichtiger als reines Magnesiummeiden.
Sollte ich meiner Katze magnesiumarmes Futter geben?
Nur auf tierärztlichen Rat bei einem konkreten Steinproblem. Ohne Grund stark magnesiumarm und säuernd zu füttern, kann das Risiko in Richtung Calciumoxalat verschieben. Für gesunde Katzen ist ein ausgewogenes Futter die bessere Wahl als ein Spezialfutter.
Wie viel sollte eine Katze trinken, um Steinen vorzubeugen?
Je mehr verdünnt der Urin, desto geringer das Kristallrisiko. Nassfutter mit hohem Wasseranteil hilft dabei am meisten. Zusätzliche Trinkanreize wie ein Brunnen oder mehrere Wasserstellen unterstützen. Den genauen Bedarf bespreche ich gern individuell in der Beratung.
Kann die Katze Magnesium aus pflanzlichen Quellen nutzen?
Grundsätzlich ja, allerdings spielen pflanzliche Anteile wie Kleie oder Samen in der Ration einer Katze nur eine Nebenrolle. Den Großteil ihres Magnesiums bezieht die Katze aus tierischem Gewebe wie Fisch und Fleisch. Ein Alleinfutter deckt den Bedarf ohnehin ab.
Kann zu wenig Magnesium der Katze schaden?
Ja. Ein Mangel kann Muskelschwäche und Herzrhythmusstörungen verursachen, ist bei gesunden Katzen aber selten. Meist tritt er nur als Folge einer Erkrankung auf. Das ist ein Grund mehr, Magnesium nicht ohne Anlass aus dem Futter zu drängen.
Hat Magnesium auch etwas mit Calciumoxalatsteinen zu tun?
Ja, und zwar als Hemmstoff. Magnesium und Citrat binden im Harn Calcium und Oxalsäure und verringern so die Bildung von Calciumoxalat. Deshalb ist ein zu starkes Absenken von Magnesium beim Versuch, Struvit zu verhindern, nicht ohne Risiko.
Brauchen Katzen mit Nierenproblemen anderes Magnesium?
Bei Nierenerkrankungen verschiebt sich der Mineralhaushalt, weshalb die Fütterung tierärztlich begleitet gehört. Im Vordergrund steht dort meist die Phosphorreduktion. Magnesium passt der Tierarzt im Rahmen der Nierendiät an, das ist nichts für den Eigenversuch.
Ist Magnesium im Trockenfutter ein Problem?
Weniger der Magnesiumgehalt selbst als die geringe Feuchtigkeit. Trockenfutter führt zu konzentrierterem Urin, und das begünstigt Kristalle. Aus meiner Sicht spricht das für ein gutes Nassfutter, gerade bei Katzen, die ohnehin zu wenig trinken.
Woran erkenne ich, dass meine Katze ein Harnproblem hat?
Warnzeichen sind häufiges Pinkeln in kleinen Mengen, Pressen, Blut im Urin oder Urinieren neben das Klo. Ein Kater, der gar nicht mehr absetzt, ist ein Notfall. Bei solchen Anzeichen bitte sofort tierärztlich abklären lassen, nicht erst die Fütterung umstellen.
Zusammenfassung
Magnesium für Katzen ist ein unentbehrlicher Mineralstoff für Knochen, Muskeln und Energiestoffwechsel und zugleich ein Baustein von Struvitsteinen. Entscheidend für Struvit sind aber vor allem ein hoher Harn-pH und konzentrierter Urin, nicht der Magnesiumgehalt allein. Wer Magnesium pauschal meidet und stark säuert, verschiebt das Risiko nur in Richtung Calciumoxalat. Ein ausgewogenes Nassfutter und eine gute Flüssigkeitsaufnahme bringen für die Harngesundheit mehr als das eigenmächtige Hoch- oder Runterregeln eines einzelnen Mineralstoffs.
Quellen und weiterführende Informationen
- FEDIAF (2024): Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food for Cats and Dogs, die maßgeblichen europäischen Ernährungsrichtlinien für Hunde- und Katzenfutter.
- National Research Council (2006): Nutrient Requirements of Dogs and Cats, das wissenschaftliche Standardwerk zum Nährstoffbedarf von Hund und Katze.
- Iben C., Liesegang A., Wichert B., Wolf P. (2021): Ernährung der Katze, Thieme Verlag, deutschsprachiges Standardwerk zur Katzenernährung.
- Bartges J.W. (2016): Feline Calcium Oxalate Urolithiasis, Journal of Feline Medicine and Surgery 18(9), Fachartikel zu Risikofaktoren und Management von Harnsteinen.
- MSD Veterinary Manual: Nutritional Requirements of Small Animals, tierärztliche Fachreferenz zum Nährstoffbedarf von Kleintieren.







