Maillard-Reaktion im Hunde-Trockenfutter: wie Hitze Aminosäuren schlechter verfügbar macht

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Die braune Kruste am Braten, das geröstete Brot, die Röstaromen im Trockenfutter, dahinter steckt immer dieselbe chemische Reaktion: die Maillard-Reaktion. Bei der Herstellung von Futter ist sie aber nicht nur für Geschmack zuständig, sie verändert auch das Eiweiß. Vor allem die Aminosäure Lysin wird durch Hitze schlechter verfügbar. Das macht das Eiweiß nicht wertlos, aber weniger wertvoll. Besonders betroffen ist stark erhitztes Trockenfutter. In diesem Beitrag erkläre ich, was die Maillard-Reaktion ist, wie sie Aminosäuren beeinträchtigt, warum vor allem Trockenfutter betroffen ist und wie ernst man das nehmen sollte.

Maillard-Reaktion im Hunde-Trockenfutter: wie Hitze Aminosäuren schlechter verfügbar macht
Maillard-Reaktion im Hunde-Trockenfutter: wie Hitze Aminosäuren schlechter verfügbar macht

Maillard-Reaktion im Trockenfutter: Das Wichtigste in Kürze

Die Maillard-Reaktion ist eine Bräunungsreaktion zwischen Aminosäuren und Zuckern unter Hitze, sie sorgt für Röstaromen, verändert aber auch das Eiweiß. Vor allem die essenzielle Aminosäure Lysin wird dadurch schlechter verfügbar, das Eiweiß verliert an Wertigkeit. Besonders betroffen ist stark erhitztes Trockenfutter, während schonend verarbeitetes Nassfutter geringer betroffen ist. Unbrauchbar wird das Eiweiß nicht, aber weniger wertvoll. Wer den Effekt klein halten möchte, setzt auf schonend verarbeitetes Futter mit hohem Frischfleischanteil.

  • Bräunungsreaktion: Aminosäuren plus Zucker plus Hitze ergeben Röstaromen und neue Verbindungen
  • Lysin leidet: die essenzielle Aminosäure Lysin wird schlechter verfügbar
  • Nicht wertlos: das Eiweiß verliert an Wertigkeit, ist aber nicht unbrauchbar
  • Trockenfutter stärker betroffen: hohe Hitze beim Extrudieren, viel Stärke
  • AGEs: es entstehen Maillard-Produkte, deren Langzeitwirkung noch erforscht wird
  • Mein Rat: schonend verarbeitetes Futter mit wenig Zucker und Getreide bevorzugen

Was ist die Maillard-Reaktion?

Die Maillard-Reaktion ist eine chemische Reaktion zwischen Aminosäuren, also Eiweißbausteinen, und reduzierenden Zuckern, die unter Hitze abläuft. Sie ist verantwortlich für die typische Bräunung und die Röstaromen, die wir von Bratkruste, Toast oder Röstzwiebeln kennen. Was in der Küche für Geschmack sorgt, passiert auch bei der industriellen Futterherstellung, vor allem dann, wenn hohe Temperaturen im Spiel sind. Dabei entstehen nicht nur Aroma- und Farbstoffe, sondern auch neue Verbindungen, die das Eiweiß verändern. Genau diese Veränderung ist der Grund, warum die Maillard-Reaktion in der Tierernährung ein Thema ist.

Wie die Maillard-Reaktion Aminosäuren beeinträchtigt

Der wichtigste Punkt: Bei der Maillard-Reaktion bindet sich vor allem die essenzielle Aminosäure Lysin mit Zuckern und steht dem Körper dann nur noch eingeschränkt zur Verfügung. Man spricht von einer verringerten Verfügbarkeit, das Eiweiß wird also nicht zerstört, aber es verliert an Wertigkeit. Da Lysin für viele Körperfunktionen gebraucht wird, ist das ein relevanter Effekt, gerade wenn das Futter ohnehin nicht über die hochwertigsten Eiweißquellen verfügt. Zusätzlich entstehen sogenannte Maillard-Reaktionsprodukte, darunter AGEs, deren langfristige Bedeutung für die Gesundheit derzeit noch erforscht wird. Wichtig ist die richtige Einordnung: schlechter verfügbar bedeutet nicht unbrauchbar.

EinflussfaktorWirkung auf die Maillard-Reaktion
Hohe Temperaturverstärkt die Reaktion deutlich
Lange Erhitzungsdauermehr Maillard-Produkte
Hoher Zucker- und Stärkeanteilmehr Reaktionspartner, mehr Bräunung
Schonende, kurze Erhitzunggeringerer Effekt

Warum vor allem Trockenfutter betroffen ist

Trockenfutter wird in der Regel extrudiert, also unter hohem Druck und hoher Temperatur durch eine Düse gepresst. Diese starke, oft mehrstufige Erhitzung in Kombination mit einem meist höheren Anteil an Stärke und Zucker bietet ideale Bedingungen für die Maillard-Reaktion. Entsprechend stärker ist hier der Verlust an verfügbarem Lysin. Nassfutter wird zwar ebenfalls erhitzt und sterilisiert, meist aber schonender und mit weniger Stärke, sodass die Reaktion geringer ausfällt. Damit ist die Maillard-Reaktion ein weiterer Punkt in der langen Liste, die der Ratgeber 10 Gründe gegen Trockenfutter zusammenträgt. Die folgende Übersicht stellt beide Futterarten gegenüber.

MerkmalTrockenfutterNassfutter
Verarbeitungshitzehoch, Extrusionschonender, Sterilisation
Stärke- und Zuckeranteilmeist höhermeist niedriger
Maillard-Reaktionausgeprägtergeringer
Verfügbares Lysinstärker vermindertbesser erhalten

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Wie schlimm ist das wirklich?

Hier ist Augenmaß gefragt. Die Maillard-Reaktion ist ein realer Effekt, der die Eiweißqualität messbar mindern kann, aber sie macht ein Futter nicht automatisch wertlos. Wie stark sie ausfällt, hängt von Temperatur, Dauer und Zusammensetzung ab, und gute Hersteller gleichen den Verlust an verfügbarem Lysin gezielt aus. Auch bei der Frage der AGEs gilt: Ihr langfristiger Einfluss auf die Gesundheit von Hunden wird derzeit erforscht und ist nicht abschließend geklärt, Panikmache ist also fehl am Platz. Sinnvoll ist ein nüchterner Blick: Die Maillard-Reaktion ist ein guter Grund, schonend verarbeitetem Futter den Vorzug zu geben, aber kein Anlass zur Sorge bei einem gesunden Hund mit hochwertiger Fütterung.

Was das für die Futterwahl bedeutet

Praktisch lässt sich der Effekt mit ein paar einfachen Grundsätzen klein halten. Bevorzugen Sie schonend verarbeitetes Futter mit einem hohen Anteil an Frischfleisch und einem niedrigen Anteil an Zucker und Getreide, denn weniger Reaktionspartner bedeuten weniger Maillard-Produkte. Nassfutter ist hier meist im Vorteil. Auf der Deklaration steht die Maillard-Reaktion zwar nicht direkt, doch eine transparente Zutatenliste mit benannten, hochwertigen Eiweißquellen ist ein guter Indikator, denn eine klare Deklaration sagt mehr als jede Zahl.

Was ich als Ernährungsberaterin empfehle

Aus meiner Beratungspraxis ist die Maillard-Reaktion einer von vielen guten Gründen, warum ich auf schonend verarbeitetes Nassfutter setze. Sie zeigt, dass nicht nur zählt, was im Futter steckt, sondern auch, wie es verarbeitet wurde. Je höher und länger die Hitze, desto mehr leidet die Verfügbarkeit der Aminosäuren. Genau deshalb empfehle ich ein hochwertiges Nassfutter mit hohem Frischfleischanteil in Lebensmittelqualität, ohne Zucker, Getreide sowie Lock-, Farb- und Konservierungsstoffe, das schonend gegart ist und sein Eiweiß aus echtem, benanntem Fleisch bezieht.

Wichtig: Die Maillard-Reaktion mindert die Eiweißqualität, macht ein Futter aber nicht akut gefährlich. Der langfristige Einfluss der entstehenden AGEs wird noch erforscht. Bei gesunden Hunden mit hochwertigem Futter ist das kein Grund zur Sorge, bei Vorerkrankungen sollte die Fütterung mit der Tierarztpraxis abgestimmt werden.

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Häufige Fragen zur Maillard-Reaktion im Futter

Kennt man die Maillard-Reaktion auch aus der Küche?

Ja, die Maillard-Reaktion ist dieselbe, die für die braune Kruste am Bratenstück, für geröstetes Brot und für Röstaromen sorgt. Sie entsteht, wenn Eiweißbausteine und Zucker erhitzt werden. Im Futter läuft genau dieser Prozess bei der Herstellung ab, besonders bei hoher Hitze.

Macht die Maillard-Reaktion das Eiweiß unbrauchbar?

Nein, unbrauchbar ist zu hart formuliert. Die Maillard-Reaktion macht bestimmte Aminosäuren, vor allem Lysin, schlechter verfügbar, das Eiweiß verliert also an Wertigkeit, ist aber nicht wertlos. Wie stark der Effekt ausfällt, hängt von Temperatur, Dauer und Zuckergehalt ab.

Welche Aminosäure ist am stärksten betroffen?

Am empfindlichsten reagiert Lysin, eine essenzielle Aminosäure. Es bindet bei Hitze mit Zuckern und steht dem Körper dann nur noch eingeschränkt zur Verfügung. Weil Lysin für viele Körperfunktionen wichtig ist, achten gute Hersteller darauf, dieses Defizit auszugleichen.

Was sind Maillard-Reaktionsprodukte und AGEs?

Bei der Maillard-Reaktion entstehen verschiedene neue Verbindungen, dazu zählen auch sogenannte AGEs, also fortgeschrittene Glykierungsendprodukte. Ihr langfristiger Einfluss auf die Gesundheit von Hunden wird derzeit erforscht und ist nicht abschließend geklärt. Sicher ist vor allem, dass die Verfügbarkeit von Aminosäuren sinkt.

Ist Trockenfutter deshalb schlecht?

Nicht pauschal, aber Trockenfutter ist durch die starke Erhitzung bei der Herstellung stärker betroffen als schonend verarbeitetes Nassfutter. Gute Hersteller gleichen den Verlust an Aminosäuren gezielt aus. Wer den Effekt gering halten möchte, ist mit schonend verarbeitetem Futter aber im Vorteil.

Entsteht die Maillard-Reaktion auch im Nassfutter?

Auch Nassfutter wird erhitzt, allerdings meist schonender als beim Extrudieren von Trockenfutter, und es enthält weniger Stärke und Zucker. Dadurch fällt die Maillard-Reaktion in der Regel geringer aus. Ganz vermeiden lässt sie sich bei keiner erhitzten Nahrung.

Kann ich die Maillard-Reaktion am Futter erkennen?

Direkt auf der Deklaration steht sie nicht. Hinweise sind eine starke Bräunung und intensive Röstaromen, die auf hohe Verarbeitungshitze hindeuten. Verlässlicher ist es, auf schonende Verarbeitung und einen niedrigen Zucker- und Getreideanteil zu achten.

Sind Röstaromen im Futter schädlich?

Röstaromen entstehen durch die Maillard-Reaktion und machen Futter schmackhafter, weshalb sie teils gezielt eingesetzt werden. Gefährlich sind sie in üblichen Mengen nicht, sie sind aber ein Zeichen für starke Erhitzung. Im Vordergrund steht weniger die Gefahr als die dadurch verringerte Eiweißqualität.

Wie halte ich Maillard-Produkte gering?

Indem Sie auf schonend verarbeitetes Futter mit hohem Frischfleischanteil und wenig Zucker und Getreide setzen. Nassfutter ist hier meist im Vorteil. Wichtig ist außerdem, dass hochwertige, benannte Eiweißquellen die Basis bilden.

Ist die Maillard-Reaktion gefährlich für meinen Hund?

Akut gefährlich ist sie bei üblichem Futter nicht. Es geht vielmehr darum, dass die Eiweißqualität sinkt und langfristig vermehrt AGEs aufgenommen werden, deren Wirkung noch erforscht wird. Bei einem gesunden Hund mit hochwertigem Futter ist das kein Grund zur Sorge, bei Vorerkrankungen lohnt die Abstimmung mit der Tierarztpraxis.

Lässt sich der Lysinverlust durch die Maillard-Reaktion ausgleichen?

Ja, gute Hersteller berücksichtigen den Verlust an verfügbarem Lysin und gleichen ihn aus. Wer den Effekt klein halten möchte, wählt schonend verarbeitetes Futter mit hohem Frischfleischanteil. Nassfutter ist dabei meist im Vorteil.

Zusammenfassung

Die Maillard-Reaktion ist eine Bräunungsreaktion zwischen Aminosäuren und Zuckern unter Hitze, die für Röstaromen sorgt, aber auch das Eiweiß verändert. Vor allem die essenzielle Aminosäure Lysin wird dadurch schlechter verfügbar, das Eiweiß verliert an Wertigkeit, ist aber nicht unbrauchbar. Besonders betroffen ist stark erhitztes, extrudiertes Trockenfutter, während schonend verarbeitetes Nassfutter geringer betroffen ist. Die entstehenden AGEs werden noch erforscht, akut gefährlich ist die Reaktion bei üblichem Futter nicht.

Mein Fazit aus der Beratung: Die Maillard-Reaktion ist ein guter Grund, auf schonende Verarbeitung und hochwertige, benannte Eiweißquellen zu achten, aber kein Anlass zur Panik. Welche Fleischsorten sich wirklich eignen, zeigt sich erst im Vergleich.

Quellen und weiterführende Informationen

  • Zentek: Ernährung des Hundes: Grundlagen – Fütterung – Diätetik. Begründet von Helmut Meyer. Thieme, 9. Auflage 2022, zu Verarbeitung, Eiweißqualität und Aminosäureverfügbarkeit
  • FEDIAF (2024): „Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food for Cats and Dogs“, zu Lysinverfügbarkeit und Verarbeitung
  • van Rooijen et al., Übersichtsarbeiten zur Maillard-Reaktion und zu AGEs in Heimtiernahrung, zum aktuellen Forschungsstand
  • National Research Council (NRC): „Nutrient Requirements of Dogs and Cats“, zum Bedarf an essenziellen Aminosäuren wie Lysin
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Christina Williger - Zertifizierte Ernährungsberaterin für Hunde und Katzen | Anifit-Fachberaterin

Verfasst von: Christina Williger
Ernährungsberaterin für Hunde & Katzen | Anifit-Fachberaterin | Gründerin von Ihr-Futtershop.de | Autorin

Im Laufe meines Lebens durfte ich viele verschiedene Haustiere begleiten und wertvolle Erfahrungen im Umgang mit ihren ganz unterschiedlichen Bedürfnissen sammeln. Zusätzlich war ich fast 20 Jahre lang im Pferdesport sowie im Hundesport aktiv. Meine tiefe Verbundenheit zu Tieren hat mich dazu bewegt, als Autorin im Heimtierbereich tätig zu werden und mein Wissen sowie meine Erfahrungen mit anderen Tierhalterinnen und Tierhaltern zu teilen. Die gesundheitlichen Herausforderungen meines Hundes Aragon haben mich außerdem dazu inspiriert, mich zur zertifizierten Ernährungsberaterin für Hunde und Katzen weiterzubilden. Mit meinen Büchern, Ratgebern und Fachbeiträgen möchte ich das Bewusstsein für die Bedürfnisse unserer Haustiere schärfen, ihre Lebensqualität nachhaltig verbessern und einen Beitrag zu einem harmonischen Zusammenleben von Mensch und Tier leisten.

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