Sekundärer Hyperparathyreoidismus beim Hund: wenn pures Fleisch die Knochen schwächt

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Es klingt naheliegend, einem Hund einfach viel gutes Fleisch zu geben, schließlich stammt er vom Wolf ab. Genau hier lauert aber eine der größten Gefahren der selbst zusammengestellten Fütterung: Wer überwiegend pures Muskelfleisch ohne Calciumausgleich füttert, kann beim Hund einen sekundären Hyperparathyreoidismus auslösen, eine ernste Störung des Knochenstoffwechsels. Vereinfacht gesagt zwingt der Calciummangel den Körper dazu, sich Calcium aus den eigenen Knochen zu holen, die dadurch schwach und brüchig werden. Besonders Welpen sind gefährdet. In diesem Beitrag erkläre ich, wie es dazu kommt, woran Sie es erkennen und vor allem, wie Sie es durch die richtige Fütterung sicher vermeiden.

Sekundärer Hyperparathyreoidismus beim Hund: wenn pures Fleisch die Knochen schwächt
Sekundärer Hyperparathyreoidismus beim Hund: wenn pures Fleisch die Knochen schwächt

Sekundärer Hyperparathyreoidismus beim Hund: Das Wichtigste in Kürze

Der sekundäre Hyperparathyreoidismus ist eine Störung des Knochenstoffwechsels, bei der der Körper wegen eines zu niedrigen Calciumspiegels dauerhaft Calcium aus den Knochen löst. Die häufigste fütterungsbedingte Ursache ist eine Ration aus überwiegend purem Fleisch ohne Knochen oder andere Calciumquelle, denn Fleisch ist phosphorreich, aber calciumarm. Die Knochen werden dadurch schwach und brüchig, besonders bei Welpen. Anzeichen wie Lahmheit, Schmerzen oder Brüche gehören sofort in die Tierarztpraxis. Vorbeugen lässt sich sicher über ein ausgewogenes Calcium-Phosphor-Verhältnis, am einfachsten über ein vollständiges Alleinfutter.

  • Was passiert: der Körper löst bei Calciummangel Calcium aus den Knochen
  • Häufigste Ursache: überwiegend pures Fleisch ohne Calciumausgleich
  • Folge: dünne, weiche Knochen, Schmerzen, im schlimmsten Fall Brüche
  • Besonders gefährdet: Welpen und Junghunde im Wachstum
  • Anzeichen: Lahmheit, Bewegungsunlust, Schmerzen, gehören in die Tierarztpraxis
  • Vorbeugung: ausgewogenes Calcium-Phosphor-Verhältnis, am sichersten über Alleinfutter

Was ist ein sekundärer Hyperparathyreoidismus?

Der Körper hält den Calciumspiegel im Blut sehr genau konstant, weil Calcium für Nerven, Muskeln und viele Abläufe lebenswichtig ist. Sinkt dieser Spiegel, schütten die Nebenschilddrüsen vermehrt das Hormon Parathormon aus. Dieses Hormon sorgt dafür, dass Calcium dort freigesetzt wird, wo der größte Vorrat liegt, in den Knochen. Beim sekundären Hyperparathyreoidismus läuft genau dieser Mechanismus dauerhaft auf Hochtouren. Sekundär bedeutet, dass nicht die Drüsen selbst erkrankt sind, sondern die Überaktivität die Folge eines anderen Problems ist. Bei Hunden sind das vor allem zwei Auslöser: eine falsche Fütterung oder eine chronische Nierenerkrankung. Dieser Beitrag widmet sich der fütterungsbedingten Form, die sich anders als die nierenbedingte vollständig vermeiden lässt.

Wie pures Fleisch die Knochen schwächt

Der Kern des Problems liegt im Verhältnis von Calcium zu Phosphor. Pures Muskelfleisch ist sehr phosphorreich, enthält aber kaum Calcium, das Verhältnis ist also stark zugunsten des Phosphors verschoben, oft im Bereich von etwa 1 zu 20. Bekommt der Hund über längere Zeit kaum Calcium, kann er den niedrigen Blutspiegel nur ausgleichen, indem er Calcium aus den Knochen mobilisiert. Was kurzfristig den Blutwert rettet, schwächt langfristig das Skelett: Die Knochen verlieren Substanz, werden dünn, weich und brüchig. Genau deshalb ist das Calcium-Phosphor-Verhältnis bei der Fütterung so entscheidend, und genau deshalb darf eine fleischreiche Ration nie ohne Calciumausgleich gefüttert werden.

Warum besonders Welpen gefährdet sind

Am empfindlichsten reagieren Welpen und Junghunde. Ihr Skelett wächst schnell und braucht dafür viel Calcium, weshalb sich ein Mangel hier besonders rasch und folgenschwer auswirkt. Eine falsch zusammengestellte Welpenration kann deshalb schon nach Wochen zu Knochenproblemen führen, mit Lahmheit, Schmerzen, verformten Knochen oder Brüchen. Aber auch erwachsene Hunde sind nicht sicher: Wer einen ausgewachsenen Hund über Monate mit purem Fleisch oder einer schlecht ausgewogenen Rohration füttert, riskiert dieselbe Entgleisung, nur oft schleichender. Gerade beim Wachstum gilt außerdem: Nicht nur zu wenig, sondern auch zu viel Calcium schadet, weshalb die Menge berechnet gehört.

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Welche Anzeichen auf das Problem hindeuten

Die Anzeichen entwickeln sich meist schleichend und werden leicht übersehen. Typisch sind Lahmheit, eine allgemeine Bewegungsunlust, ein steifer oder vorsichtiger Gang und sichtbare Schmerzen beim Aufstehen oder Springen. In fortgeschrittenen Fällen kommt es zu Knochenbrüchen, die ohne erkennbaren Anlass entstehen, weil die Knochen schon stark geschwächt sind. Bei Welpen können sich Gliedmaßen verformen oder das Wachstum stört sich. Die folgende Übersicht zeigt, in welchen Fütterungssituationen das Risiko besonders hoch ist.

FütterungCalciumversorgungRisiko
Überwiegend pures Muskelfleisch ohne Calciumquellesehr niedrig, Phosphor hochhoch
Rohfütterung mit zu wenig Knochen oder Calciumgrenzwertigerhöht
Selbst gekocht ohne berechneten Calciumausgleichoft zu niedrigerhöht
Vollständiges, ausgewogenes Alleinfutterbedarfsgerechtsehr gering

Wichtig: Diese Anzeichen sind nicht eindeutig und können auch andere Ursachen haben. Wer sie bei seinem Hund bemerkt, sollte sie nicht selbst deuten, sondern zeitnah tierärztlich abklären lassen.

Diagnose und Behandlung gehören in die Tierarztpraxis

Ein Verdacht lässt sich nur tierärztlich sichern. Dafür stehen Blutuntersuchungen zu Calcium und Phosphor, gegebenenfalls die Bestimmung des Parathormons sowie Röntgenbilder zur Verfügung, die den Zustand der Knochen zeigen. Auch die genaue Fütterungsgeschichte ist wichtig, denn sie liefert oft den entscheidenden Hinweis. Die Behandlung selbst gehört ebenfalls in fachkundige Hände und besteht aus tierärztlicher Sicht in der Regel darin, die Fütterung zu korrigieren und die Calciumversorgung gezielt anzupassen, bei Brüchen kommen orthopädische Maßnahmen und Schonung hinzu. Was Sie auf keinen Fall tun sollten, ist, auf eigene Faust hohe Calciummengen zu geben, denn eine falsche Korrektur kann zusätzlich schaden. Ihr wichtigster Beitrag ist die Vorbeugung.

So beugen Sie sicher vor

Die gute Nachricht: Die fütterungsbedingte Form lässt sich vollständig vermeiden. Der Schlüssel ist ein ausgewogenes Verhältnis von Calcium zu Phosphor. Wer roh füttert, muss zu einer fleischreichen Ration immer eine passende Calciumquelle einplanen, am natürlichsten über rohe fleischige Knochen, und die Mengen berechnen, statt zu schätzen. Wer eine Ration selbst zusammenstellt, sei es beim Barfen oder beim Selbstkochen, sollte sie fachlich durchrechnen lassen, gerade bei Welpen. Am einfachsten und sichersten ist die Vorbeugung mit einem vollständigen Alleinfutter, das von vornherein bedarfsgerecht zusammengesetzt ist und sich um das Verhältnis kümmert, ohne dass Sie selbst rechnen müssen.

Was ich als Ernährungsberaterin empfehle

Aus meiner Beratung sehe ich diesen Zusammenhang leider regelmäßig, oft bei gut gemeinten, aber unausgewogenen Rationen. Mein Rat ist deshalb klar: Wer keine Lust auf das genaue Rechnen hat, ist mit einem vollständigen Nassfutter mit hohem Frischfleischanteil in Lebensmittelqualität auf der sicheren Seite, denn dort stimmt das Verhältnis bereits. Wer dagegen selbst zusammenstellt, sollte die Ration unbedingt durchrechnen, statt nach Gefühl Fleisch in den Napf zu geben. Wie eine selbst gekochte Mahlzeit ausgewogen aufgebaut wird, zeige ich beim Selberkochen, und die wichtigsten Bausteine einer Ration stecken in den Grundlagen der Hundeernährung.

Wichtig: Dieser Beitrag dient der Aufklärung und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Der sekundäre Hyperparathyreoidismus ist eine ernste Erkrankung. Bei Anzeichen wie Lahmheit oder Schmerzen sowie bei jeder selbst zusammengestellten Ration im Wachstum gehört die Einschätzung in die Tierarztpraxis.

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Häufige Fragen zum sekundären Hyperparathyreoidismus

Was ist ein sekundärer Hyperparathyreoidismus beim Hund?

Dabei schüttet der Körper dauerhaft zu viel Parathormon aus, das Hormon der Nebenschilddrüsen, um einen zu niedrigen Calciumspiegel im Blut auszugleichen. Sekundär heißt, dass die Überaktivität nicht von den Drüsen selbst ausgeht, sondern eine Folge ist, meist einer falschen Fütterung oder einer Nierenerkrankung. Um den Blutspiegel zu halten, wird Calcium aus den Knochen gelöst, die dadurch geschwächt werden.

Wodurch entsteht die fütterungsbedingte Form?

Die fütterungsbedingte Form entsteht durch eine Ration mit zu wenig Calcium und zu viel Phosphor, klassischerweise durch überwiegend pures Muskelfleisch ohne Knochen oder andere Calciumquelle. Fleisch ist sehr phosphorreich, liefert aber kaum Calcium. Fehlt der Ausgleich über längere Zeit, gerät der Calciumhaushalt aus dem Gleichgewicht.

Warum schwächt pures Fleisch die Knochen?

Weil der Körper den Calciumspiegel im Blut unbedingt konstant halten muss. Bekommt er über das Futter zu wenig Calcium, löst er es aus dem größten Vorrat, den Knochen. Dieser Abbau läuft schleichend, bis die Knochen dünn, weich und anfällig für Brüche werden, oft ohne dass es vorher auffällt.

Welche Hunde sind besonders gefährdet?

Am stärksten gefährdet sind Welpen und Junghunde, weil ihr wachsendes Skelett besonders viel Calcium braucht und schnell reagiert. Aber auch erwachsene Hunde können erkranken, wenn sie über längere Zeit eine unausgewogene Roh- oder selbst gekochte Ration ohne Calciumausgleich bekommen. Ein vollständiges Alleinfutter schützt davor.

Welche Symptome treten auf?

Typisch sind Lahmheit, Bewegungsunlust, Schmerzen, eine ungeschickte Bewegung und in fortgeschrittenen Fällen Knochenbrüche, die ohne größeren Anlass entstehen. Bei Welpen können sich Knochen verformen. Solche Anzeichen gehören umgehend in die Tierarztpraxis, nicht in die Selbstbehandlung.

Ist die Erkrankung heilbar?

Das einzuschätzen ist Sache der Tierarztpraxis. Wird die Ursache früh erkannt und die Fütterung unter fachlicher Begleitung korrigiert, bessert sich der Knochenstoffwechsel oft. Bereits entstandene Schäden wie Brüche oder Verformungen können aber bleiben. Entscheidend sind eine rasche Diagnose und Behandlung.

Wie wird die Erkrankung festgestellt?

Die Diagnose stellt die Tierarztpraxis, unter anderem über Blutwerte zu Calcium und Phosphor, gegebenenfalls das Parathormon sowie über Röntgenbilder, die den Zustand der Knochen zeigen. Wichtig ist dabei auch die Fütterungsgeschichte. Eine sichere Einordnung ist nur tierärztlich möglich.

Wie kann ich vorbeugen?

Indem Sie für ein ausgewogenes Calcium-Phosphor-Verhältnis sorgen. Bei selbst zusammengestellten Rationen heißt das, eine passende Calciumquelle einzuplanen und die Mengen zu berechnen. Am einfachsten ist die Vorbeugung mit einem vollständigen Alleinfutter, das von vornherein bedarfsgerecht zusammengesetzt ist.

Reicht es, einfach Knochen zu füttern?

Knochen sind eine gute natürliche Calciumquelle, aber die Menge muss stimmen. Zu wenig gleicht das Phosphor aus dem Fleisch nicht aus, zu viel kann gerade bei Welpen ebenfalls schaden. Deshalb gehört die Calciummenge berechnet und nicht nach Gefühl zugegeben.

Gibt es auch eine nierenbedingte Form?

Ja. Neben der fütterungsbedingten gibt es eine nierenbedingte Form, die durch eine chronische Nierenerkrankung entsteht und über einen gestörten Phosphat- und Calciumhaushalt zum gleichen Hormonproblem führt. Sie hat eine andere Ursache und gehört in tierärztliche Behandlung.

Kann ich das selbst behandeln?

Nein. Diagnose und Behandlung gehören in die Tierarztpraxis, auch weil eine falsche Calciumgabe zusätzlich schaden kann. Ihr Beitrag liegt in der Vorbeugung durch eine ausgewogene Fütterung und darin, bei Anzeichen früh tierärztlichen Rat zu suchen.

Zusammenfassung

Der sekundäre Hyperparathyreoidismus ist eine Störung des Knochenstoffwechsels, bei der ein zu niedriger Calciumspiegel den Körper zwingt, Calcium aus den Knochen zu lösen. Die häufigste fütterungsbedingte Ursache ist eine Ration aus überwiegend purem, phosphorreichem Fleisch ohne Calciumausgleich. Die Knochen werden dadurch schwach und brüchig, besonders bei wachsenden Welpen. Anzeichen wie Lahmheit, Schmerzen oder Brüche gehören umgehend tierärztlich abgeklärt. Vermeiden lässt sich die Erkrankung über ein ausgewogenes Calcium-Phosphor-Verhältnis, beim Barfen über eine berechnete Calciumquelle, am einfachsten über ein vollständiges Alleinfutter.

Mein Fazit aus der Beratung: Viel Fleisch allein ist keine artgerechte Ernährung, sondern ohne Calciumausgleich ein echtes Risiko für die Knochen. Wer das Verhältnis im Blick behält oder ein ausgewogenes Futter nutzt, ist auf der sicheren Seite.

Quellen und weiterführende Informationen

  • National Research Council (NRC): „Nutrient Requirements of Dogs and Cats“, zu Calcium, Phosphor und den Folgen einer Fehlversorgung
  • FEDIAF (2024): „Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food for Cats and Dogs“, zum Calcium-Phosphor-Verhältnis und Bedarf im Wachstum
  • Zentek: Ernährung des Hundes: Grundlagen – Fütterung – Diätetik. Begründet von Helmut Meyer. Thieme, 9. Auflage 2022, zum fütterungsbedingten sekundären Hyperparathyreoidismus
  • MSD Veterinary Manual, tierärztliche Fachinformationen zum nutritiven und renalen sekundären Hyperparathyreoidismus beim Hund
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Christina Williger - Zertifizierte Ernährungsberaterin für Hunde und Katzen | Anifit-Fachberaterin

Verfasst von: Christina Williger
Ernährungsberaterin für Hunde & Katzen | Anifit-Fachberaterin | Gründerin von Ihr-Futtershop.de | Autorin

Im Laufe meines Lebens durfte ich viele verschiedene Haustiere begleiten und wertvolle Erfahrungen im Umgang mit ihren ganz unterschiedlichen Bedürfnissen sammeln. Zusätzlich war ich fast 20 Jahre lang im Pferdesport sowie im Hundesport aktiv. Meine tiefe Verbundenheit zu Tieren hat mich dazu bewegt, als Autorin im Heimtierbereich tätig zu werden und mein Wissen sowie meine Erfahrungen mit anderen Tierhalterinnen und Tierhaltern zu teilen. Die gesundheitlichen Herausforderungen meines Hundes Aragon haben mich außerdem dazu inspiriert, mich zur zertifizierten Ernährungsberaterin für Hunde und Katzen weiterzubilden. Mit meinen Büchern, Ratgebern und Fachbeiträgen möchte ich das Bewusstsein für die Bedürfnisse unserer Haustiere schärfen, ihre Lebensqualität nachhaltig verbessern und einen Beitrag zu einem harmonischen Zusammenleben von Mensch und Tier leisten.

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