Dünndarmdurchfall oder Dickdarmdurchfall beim Hund: Woran erkenne ich den Unterschied und was füttere ich dann?

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Wenn mir in der Beratung jemand sagt „mein Hund hat Durchfall“, stelle ich als Erstes drei Fragen: Wie oft setzt er Kot ab, wie viel kommt dabei heraus, ist Schleim oder Blut dabei? Die Antworten verraten mir meist schon, ob das Problem im Dünndarm oder im Dickdarm sitzt. Diese Unterscheidung klingt nach Tierarztlatein, ist aber für Sie als Halterin oder Halter nützlich: Sie grenzt die möglichen Ursachen ein und entscheidet darüber, ob bei Durchfall beim Hund fettarme Schonkost oder zusätzliche Ballaststoffe die bessere Fütterungsstrategie sind. In diesem Ratgeber zeige ich Ihnen, woran Sie Dünndarmdurchfall und Dickdarmdurchfall erkennen, was ich bei beiden Formen füttere und wann die Fütterung allein nicht mehr reicht.

Hund in Seitenansicht mit schematischer Darstellung von Magen, Dünndarm und Dickdarm, davor Huhn mit Reis und Kürbispüree
Dünndarm (orange) und Dickdarm (blau) beim Hund, schematisch dargestellt

Durchfall beim Hund nach Darmabschnitt: Das Wichtigste in Kürze

Dünndarmdurchfall zeigt sich durch große, wässrige Kotmengen bei kaum erhöhter Häufigkeit, oft mit Blähungen und Gewichtsverlust. Dickdarmdurchfall bedeutet viele kleine Portionen mit Schleim, frischem Blut und starkem Drang. Die Lokalisation grenzt die Ursachen ein und bestimmt die passende Fütterung.

  • Kotmenge und Häufigkeit: Dünndarm: viel Kot, normal bis etwa doppelt so häufig wie gewohnt. Dickdarm: wenig Kot, oft 4 bis 6 Mal so häufig wie gewohnt.
  • Blut und Schleim: Verdautes, schwarzes Blut (Meläna) weist auf den Dünndarm, frisches rotes Blut und Schleimauflagen auf den Dickdarm.
  • Drang und Pressen: Schmerzhafter Absatzdrang mit Pressen (Tenesmus) ist typisch für den Dickdarm und fehlt beim Dünndarmdurchfall.
  • Gewicht: Abmagerung spricht für ein Dünndarmproblem, weil dort die Nährstoffe aufgenommen werden; beim Dickdarmdurchfall bleibt das Gewicht meist stabil.
  • Zeitachse: Akuter Durchfall dauert unter 14 Tage, ab 3 Wochen gilt er als chronisch und braucht eine tierärztliche Diagnose.
  • Mein Praxis-Fazit: Beim Dünndarm setze ich auf hochverdauliche, fettreduzierte Kost in kleinen Mahlzeiten, beim Dickdarm auf lösliche Ballaststoffe wie Flohsamenschalen, Karotte oder Apfel.

Was unterscheidet Dünndarmdurchfall von Dickdarmdurchfall beim Hund?

Dünndarmdurchfall entsteht, wenn der Dünndarm Nahrung nicht richtig verdaut oder aufnimmt; typisch sind große, wässrige Kotmengen, Blähungen und Gewichtsverlust. Dickdarmdurchfall entsteht, wenn der gereizte Dickdarm zu wenig Wasser zurückgewinnt; typisch sind häufige kleine Portionen mit Schleim, frischem Blut und Drang. Beide Formen können gleichzeitig auftreten.

Der Grund für die unterschiedlichen Bilder liegt in der Arbeitsteilung des Darms. Der Dünndarm zerlegt Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate mit Hilfe von Enzymen aus Bauchspeicheldrüse und Darmwand und nimmt die Bausteine zusammen mit Vitaminen und Mineralstoffen auf. Der Dickdarm gewinnt anschließend Wasser und Elektrolyte zurück, lässt seine Bakterienflora unverdaute Fasern fermentieren und speichert den Kot bis zum Absatz. Fällt der Dünndarm aus, bleibt Nahrung unverdaut und zieht osmotisch Wasser in den Darm: Der Kot wird voluminös, wässrig, teils fettig glänzend. Fällt der Dickdarm aus, fehlen Wasserrückgewinnung und Speicherfunktion: Der Hund muss ständig, schafft aber nur kleine Mengen.

MerkmalDünndarmdurchfallDickdarmdurchfall
Häufigkeit des Kotabsatzesnormal bis etwa doppelt so häufig wie gewohntstark erhöht, oft 4 bis 6 Mal so häufig wie gewohnt
Kotmenge pro Absatzgroß, voluminösklein bis normal, oft nur ein Klecks
Konsistenzsehr wässrig bis breiig, teils schaumigbreiig bis gallertartig, der erste Kot oft noch geformt
Schleimseltenhäufig, als Auflage oder Hülle
Blutdunkel bis schwarz, verdaut (Meläna)hellrot, frisch, meist aufgelagert
Drang und Pressen (Tenesmus)fehltmeist vorhanden, auch Fehlalarm ohne Ergebnis
Kontrolle über den Kotabsatzmeist erhaltenoft verloren, Unfälle in der Wohnung
Fettiger Kot, unverdaute Restehäufignein
Kotfarbegelblich, grau oder grünlichhelleres Braun
Blähungen, Bauchgeräuschehäufigselten
Erbrechenmöglichselten
Appetiterhöht bei Maldigestion, vermindert bei Malabsorptionmeist unverändert, teils wechselnd
GewichtAbmagerung bei längerem Verlaufmeist stabil, nur bei schwerer Entzündung rückläufig
Dehydrierungbei hochgradigem Verlaufselten

In meiner Beratung frage ich bewusst zuerst nach Menge und Häufigkeit, nicht nach der Konsistenz, denn „Durchfall“ bedeutet für jede Halterin und jeden Halter etwas anderes. Ein Hund, der zweimal am Tag einen großen wässrigen Haufen absetzt, hat ein völlig anderes Problem als einer, der achtmal am Tag drängelt und jeweils einen schleimigen Klecks hinterlässt. Auch die Farbe liefert einen Hinweis: Ein gelblicher, grauer oder grünlicher Ton passt eher zum Dünndarm, helleres Braun zum Dickdarm, wobei Farbe und Geruch des Hundekots immer auch vom Futter abhängen.

Wie erkenne ich Dünndarmdurchfall beim Hund?

Dünndarmdurchfall erkennen Sie an großen, wässrigen bis breiigen Kotmengen bei normaler oder nur leicht erhöhter Häufigkeit. Der Hund kann den Kot meist halten, zeigt aber Bauchgeräusche, Blähungen, teils Erbrechen und verliert bei längerem Verlauf Gewicht. Schleim fehlt, Blut erscheint, wenn überhaupt, dunkel und verdaut.

Zwei Mechanismen stecken dahinter. Bei einer Maldigestion fehlen Verdauungsenzyme, etwa bei einer Bauchspeicheldrüsenschwäche: Der Hund frisst mit Heißhunger, nimmt trotzdem ab und setzt fettigen, grauen, übel riechenden Kot ab. Bei einer Malabsorption ist die Darmschleimhaut selbst geschädigt, zum Beispiel durch Parasiten, eine Futterunverträglichkeit oder eine chronische Entzündung: Hier sinkt der Appetit; mit der Zeit gehen Eiweiß und Gewicht verloren.

Die häufigsten akuten Auslöser sind eine zu schnelle Futterumstellung, Diätfehler wie Mülltonne oder Tischreste, Virusinfekte und Parasiten. Bei jungen Hunden und bei wiederkehrendem Dünndarmdurchfall lohnt sich immer der Blick auf Giardien, die sich im Dünndarm ansiedeln. Hält der Durchfall länger als 3 Wochen an, sprechen Tierärztinnen und Tierärzte von einer chronischen Enteropathie; dazu gehören die futterresponsive Form, die sich unter einer Ausschlussdiät innerhalb von 10 bis 14 Tagen bessert, sowie die chronische Darmentzündung (IBD), die eine Diagnose per Biopsie braucht. Auch Erkrankungen außerhalb des Darms, etwa von Leber, Niere, Nebenniere oder Bauchspeicheldrüse, können sich als Dünndarmdurchfall zeigen.

Mein Praxis-Tipp: Schauen Sie beim Dünndarmdurchfall auf die Waage, nicht nur in den Garten. Ein Hund, der innerhalb von 2 bis 3 Wochen mehr als 5 Prozent seines Gewichts verliert, hat kein harmloses Verdauungsthema mehr, sondern ein Aufnahmeproblem, das tierärztlich abgeklärt werden sollte.

Wie erkenne ich Dickdarmdurchfall beim Hund?

Dickdarmdurchfall erkennen Sie daran, dass Ihr Hund sehr oft, aber jeweils nur wenig Kot absetzt, häufig mit Schleimauflage und frischem, hellrotem Blut. Typisch sind starker Drang, Pressen (manchmal ohne Ergebnis) sowie Unfälle in der Wohnung. Gewicht, Appetit und Allgemeinbefinden bleiben meist unauffällig.

Der Dickdarm reagiert auf Reize mit drei Dingen: Er gewinnt weniger Wasser zurück, bewegt sich schneller und produziert mehr Schleim, um seine Schleimhaut zu schützen. Deshalb kommt der Kot in kleinen, weichen Portionen, oft mit einer glasigen Hülle. Blut aus diesem hinteren Abschnitt wird nicht mehr verdaut und bleibt hellrot. Die häufigste Ursache ist eine Kolitis, also eine Entzündung der Dickdarmschleimhaut; dahinter stehen bei Hunden vor allem Stress (die bekannte Stresskolitis), ein abrupter Futterwechsel, Knochen und andere Fremdkörper, Peitschenwürmer, Giardien und eine Überwucherung mit Clostridien. Bleibt der Dickdarmdurchfall chronisch, braucht er eine Diagnose, weil auch futter- und faserresponsive Formen, Polypen und selten Tumoren dahinterstecken können.

In meiner Beratung erlebe ich regelmäßig, dass Halterinnen und Halter mit dem Verdacht auf Verstopfung kommen, weil der Hund presst und kaum etwas herauskommt. Tatsächlich ist das in den meisten Fällen Dickdarmdurchfall. Mein Lese-Trick für den Spaziergang: Der erste Kot ist oft noch geformt, die zweite und dritte Portion werden weich, schleimig und kleiner. Genau dieses Muster verrät den Dickdarm.

Warum ist die Unterscheidung zwischen Dünndarm und Dickdarm so wichtig?

Die Lokalisation grenzt die möglichen Ursachen ein, lenkt die Diagnostik und bestimmt die Fütterungsstrategie. Dünndarmdurchfall braucht hochverdauliche, fettreduzierte Kost, Dickdarmdurchfall profitiert von löslichen Ballaststoffen. Wer beides verwechselt, füttert am Problem vorbei, etwa mit viel Faser bei einem Hund, dessen Dünndarm bereits überfordert ist.

LokalisationTypische akute UrsachenTypische chronische UrsachenErste Diagnostik
DünndarmFutterwechsel, Diätfehler, Virusinfekt, GiardienFutterunverträglichkeit, chronische Enteropathie (IBD), Bauchspeicheldrüsenschwäche, Eiweißverlust-Enteropathie, Erkrankungen von Leber, Niere oder NebenniereKotuntersuchung, Blutbild mit Eiweiß, Vitamin B12 und Bauchspeicheldrüsenwerten, Ausschlussdiät, Ultraschall
DickdarmStress, Futterwechsel, Knochen, Fremdkörper, Peitschenwürmer, ClostridienKolitis, futter- oder faserresponsiver Durchfall, Reizdarm, Polypen, selten TumorenKotuntersuchung inklusive Clostridien-Toxin, Entwurmung, Diät- und Faserversuch, bei Bedarf Darmspiegelung
MischformDünndarmproblem, das über unverdaute Nahrung den Dickdarm reiztfortgeschrittene chronische Enteropathie, Parasiten in beiden AbschnittenAbklärung nach der dominierenden Symptomatik

Mischformen sind häufiger, als man denkt: Unverdaute Nahrung aus einem kranken Dünndarm reizt den Dickdarm mit, sodass nach einigen Tagen Schleim und Drang dazukommen. Dann zählt für mich die Symptomatik, die zuerst da war und dominiert. Wichtig ist auch die Zeitachse: Akuter Durchfall dauert weniger als 14 Tage und klingt meist von selbst ab, ab 3 Wochen gilt er als chronisch. Dann sollte die Ursache tierärztlich abgeklärt werden, bevor weiter an der Fütterung gedreht wird.

Wie teuer die Verwechslung werden kann, hat mir ein Fall aus einer Fortbildung gezeigt, den ich hier anonymisiert wiedergebe. Ein älterer, mittelgroßer Hund hatte seit über einem Jahr Durchfall: neun bis zehn Kotabsätze am Tag, jeweils große, wässrige, teils schaumige Mengen, dazu Blähungen und gelegentliches Erbrechen, aber kein Schleim, kein Blut, die Kontrolle über den Kotabsatz war erhalten. Die hohe Häufigkeit hatte alle Beteiligten an den Dickdarm denken lassen. Das Volumen sagte etwas anderes: Das war ein Dünndarmproblem. In den Monaten davor war ein gutes Dutzend Präparate durchprobiert worden, Bindemittel, Probiotika, Flohsamen und andere Faserstoffe, Ergänzungen für die Darmschleimhaut, alles ohne Wirkung. Genau diese Wirkungslosigkeit war der entscheidende Befund: Faserstoffe helfen dem Dickdarm, nicht einem Dünndarm, der Nahrung nicht mehr aufnimmt. Was weiterführte, war nicht die nächste Beilage, sondern das Blutbild. Das Bluteiweiß war über Monate gesunken, obwohl die Niere kein Eiweiß verlor; der Hund verlor es über die Darmschleimhaut. Bei einer solchen Proteinverlust-Enteropathie wird die Fütterung auf den Kopf gestellt: sehr wenig Fett, 10 bis 20 Gramm je 1.000 kcal, dafür viel hochverdauliches Eiweiß, mehrere kleine Mahlzeiten, Vitamin B12. Für mich ist dieser Fall die Erinnerung daran, warum ich bei chronischem Durchfall nach drei Wochen aufhöre, Sorten zu probieren. Dann bestehe ich auf Kotbild und Laborwerten.

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Ob hinter dem Durchfall Ihres Hundes eine zu schnelle Umstellung, ein unpassendes Futter oder ein Dünndarm- oder Dickdarmproblem steckt, lässt sich aus Kotbild, Fütterung und Vorgeschichte meist gut eingrenzen. Gemeinsam klären wir, welche Hinweise Ihr Kot-Tagebuch liefert, welche Schonkost und welche Beilage zu Ihrem Hund passen und wie Sie die Rückkehr zum gewohnten Futter planen.

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Welche Fütterung passt zu Dünndarmdurchfall?

Bei Dünndarmdurchfall füttere ich hochverdaulich, fettreduziert und in 4 bis 6 kleinen Mahlzeiten pro Tag, zunächst als Schonkost und dann über 5 bis 7 Tage zurück zum gewohnten Futter. Eine einzige, gut bekannte Eiweißquelle entlastet den Darm zusätzlich. Flüssigkeit und Elektrolyte haben Vorrang, langes Fasten ist nicht mehr Standard.

Fett ist der Nährstoff, dessen Verdauung den Dünndarm am meisten fordert: Unverdautes Fett zieht Wasser in den Darm und verstärkt den Durchfall. Deshalb bekommt ein Hund mit Dünndarmdurchfall von mir in den ersten Tagen magere, gut aufgeschlossene Kost. Als Schonkost für den Hund eignen sich gekochtes Hühnerfleisch mit Reis oder Kartoffel sowie Hüttenkäse mit Kartoffel. Kleine Portionen alle 3 bis 4 Stunden verhindern, dass der Dünndarm auf einmal überladen wird. Eine Nahrungspause lasse ich höchstens 12 bis 24 Stunden zu, nur wenn der Hund zusätzlich erbricht; bei Welpen, Senioren und sehr kleinen Hunden gar nicht. Wasser steht immer bereit.

Besteht der Verdacht auf eine Futterunverträglichkeit, empfehle ich keinen spontanen Sortenwechsel, sondern eine strukturierte Ausschlussdiät über 8 bis 12 Wochen mit Monoprotein-Hundefutter aus einer Eiweißquelle, die Ihr Hund bisher nachweislich nicht bekommen hat, abgestimmt mit der Tierarztpraxis. Futterresponsive Hunde bessern sich dabei innerhalb von 10 bis 14 Tagen deutlich. Die Werte für Fett, Eiweiß und Faser, die ein gesunder Hund braucht, zeigen die Grundlagen der Hundeernährung; bei Durchfall weichen wir davon bewusst nur vorübergehend ab.

Welche Fütterung passt zu Dickdarmdurchfall?

Bei Dickdarmdurchfall kombiniere ich eine hochverdauliche Basis mit löslichen Ballaststoffen wie Flohsamenschalen, Karotte oder Apfel, denn sie binden Wasser, geben dem Kot Form und liefern der Dickdarmflora Nahrung. Fett muss nicht so streng reduziert werden wie beim Dünndarm. Knochen, Stress und abrupte Futterwechsel sind die häufigsten vermeidbaren Auslöser.

Die Datenlage zu löslicher Faser ist für ein Fütterungsthema erstaunlich gut. In einer Auswertung von 37 Hunden mit chronischem idiopathischem Dickdarmdurchfall führte eine hochverdauliche Diät plus Flohsamenschalen bei den meisten Tieren zu einem sehr guten bis ausgezeichneten Ergebnis (Leib 2000). Eine Studie mit 22 Diensthunden zeigte unter einem Monat Flohsamenschalen bei 90 Prozent der Hunde regelmäßig geformten Kot, die Kotabsatzfrequenz sank von 3,5 auf 2,9 pro Tag. Die Hunde nahmen im Schnitt 2 Kilogramm zu (Alves et al. 2021). Die Diensthunde bekamen 4 Esslöffel täglich; für Ihren Hund richtet sich die Menge nach Größe und Verträglichkeit. Flohsamenschalen gehören immer mit reichlich Wasser in den Napf. Als Pektinquelle für die ersten Tage hat sich die Morosche Karottensuppe bewährt, die 90 Minuten gekocht wird, damit die Oligogalakturonsäuren entstehen.

Beim Dickdarm spielt außerdem die Darmflora eine zentrale Rolle, weil sie die Fasern fermentiert und dabei kurzkettige Fettsäuren bildet, von denen die Dickdarmschleimhaut lebt. Nach Stress, Futterwechsel, Wurmkur oder Antibiotika empfehle ich deshalb eine Kur mit einem prä- und probiotischen Ergänzungsfuttermittel, das die Vermehrung nützlicher Darmbakterien unterstützt; eine spürbare Veränderung der Verdauung zeigt sich meist nach 10 bis 14 Tagen. Wie eine Darmsanierung beim Hund aufgebaut ist, damit sie mehr bewirkt als eine Einzelmaßnahme, beschreibe ich in einem eigenen Beitrag.

Was ich als Ernährungsberaterin bei Durchfall selbst füttere und empfehle

Meine Basis ist auch bei Durchfall dieselbe wie sonst: ein Nassfutter mit hohem Fleischanteil ohne Zucker, Getreidemehle, Lock-, Farb- und Konservierungsstoffe, aus einer Eiweißquelle, die der Hund kennt. Was sich ändert, ist die Form, in der es für ein paar Tage ankommt. Bei Dünndarmdurchfall ersetze ich es in den ersten zwei bis drei Tagen durch eine Schonkost aus Huhn und Reis von Anifit mit Elektrolyten, die ich mit heißem Wasser anrühre und auf vier bis sechs kleine Portionen verteile. Danach mische ich das gewohnte Nassfutter über fünf bis sieben Tage wieder unter, in den ersten Tagen mit etwas gepufftem Reis gestreckt, damit der Fettanteil langsam steigt. Trinkt der Hund in dieser Phase schlecht, rühre ich eine Hühnerbrühe an; die Flüssigkeit hat beim Dünndarm Vorrang vor allem anderen.

Bei Dickdarmdurchfall bleibt das gewohnte Futter im Napf, dazu kommt lösliche Faser: Meine Standardbeilage bei weichem, schleimigem Kot sind Karottenflocken, eingeweicht unter das Nassfutter gerührt. Als Richtwert gelten etwa 20 Gramm Flocken pro Tag für einen 10 Kilogramm schweren Hund, mit der zwei- bis dreifachen Menge heißem Wasser aufgegossen; ich beginne mit der halben Menge und steigere nach Kotbild. Reagiert ein Hund empfindlich auf Stärke, nehme ich stattdessen Apfelflocken, die Pektin liefern. Nach Stress, Futterwechsel, Wurmkur oder Antibiotika begleite ich die Fütterung über zwei bis vier Wochen mit einem Probiotikum für die Darmflora, eingebettet in eine ruhige, reizarme Fütterung, nicht als Einzelmaßnahme. Aus meiner Beratungspraxis weiß ich, dass bei stressbedingtem Dickdarmdurchfall die Fütterung nur die halbe Miete ist: Feste Fütterungszeiten, Ruhe nach dem Fressen und weniger Aufregung am Tag bringen oft mehr als jeder Sortenwechsel.

FütterungsfaktorDünndarmdurchfallDickdarmdurchfall
Fettgehaltdeutlich reduziert, magere Eiweißquellemoderat, keine strenge Reduktion nötig
Ballaststoffezunächst wenig, Reis oder Kartoffel als Basislösliche Faser gezielt erhöhen: Flohsamenschalen, Karotte, Apfel
Mahlzeiten4 bis 6 kleine Portionen pro Tag2 bis 3 Portionen zu festen Zeiten
Eiweißquelleeine einzige, gut bekannte Quelleeine bekannte Quelle, Wechsel vermeiden
FlüssigkeitVorrang, Elektrolyte ergänzennormal, bei Faser mehr Wasser anbieten
ErgänzungSchonkost, gepuffter Reis, HühnerbrüheKarotten- oder Apfelflocken, Probiotikum
Reaktion zu erwartenfutterresponsiv: 10 bis 14 Tagefaserresponsiv: meist innerhalb weniger Tage

Welche Warnzeichen gelten bei beiden Durchfallformen?

Unabhängig von der Lokalisation sollte Durchfall tierärztlich abgeklärt werden, wenn er länger als 48 Stunden anhält, mit Erbrechen, Apathie oder Fieber einhergeht, schwarz oder stark blutig ist, oder wenn Welpen, Senioren und sehr kleine Hunde betroffen sind. Bei ihnen entsteht eine Dehydrierung innerhalb eines Tages.

  • Schwarzer, teerartiger Kot: Hinweis auf verdautes Blut aus Magen oder Dünndarm.
  • Viel frisches Blut oder himbeergeleeartiger Kot: kann auf eine hämorrhagische Gastroenteritis hindeuten.
  • Durchfall plus Erbrechen: doppelter Flüssigkeitsverlust, besonders riskant bei kleinen Hunden.
  • Apathie, Fieber, Bauchschmerz, aufgekrümmter Rücken: Allgemeinbefinden deutlich gestört.
  • Gewichtsverlust oder Durchfall über 3 Wochen: chronischer Verlauf, braucht eine Diagnose statt weiterer Fütterungsversuche.
  • Verdacht auf Fremdkörper, Gift oder Knochen: sofort in die Praxis, nicht abwarten.

Wie dokumentiere ich den Durchfall meines Hundes richtig?

Ein Kot-Tagebuch über 3 bis 5 Tage liefert mir und Ihrer Tierarztpraxis die Lokalisation fast frei Haus. In der Beratung bitte ich inzwischen um genau das, bevor ich eine Fütterung empfehle, weil die Beschreibung „Durchfall seit einer Woche“ allein zu oft in die falsche Richtung führt: Notieren Sie pro Kotabsatz Uhrzeit, Menge, Konsistenz, Schleim, Blut und ob der Hund pressen musste. Dazu kommen Futter, Leckerlis, Fundstücke vom Spaziergang und besondere Ereignisse wie Besuch, Autofahrt oder Hundeschule.

  • Häufigkeit: Anzahl der Kotabsätze pro Tag, verglichen mit der gewohnten Zahl.
  • Menge: groß wie sonst, deutlich mehr oder nur ein Klecks.
  • Konsistenz: geformt, breiig, wässrig, schaumig oder gallertartig; ein Handyfoto sagt mehr als jedes Wort.
  • Auflagen: Schleim, frisches rotes Blut, dunkle Verfärbung, Fettglanz, unverdaute Reste.
  • Verhalten: Drang, Pressen, Fehlalarm, Unfälle in der Wohnung, Schlittenfahren.
  • Begleitsymptome: Erbrechen, Blähungen, Bauchgeräusche, Appetit, Trinkmenge, Gewicht.
  • Auslöser: Futterwechsel, neue Leckerlis, Knochen, Stress, Fundstücke, Wurmkur oder Medikamente.

Für die Kotuntersuchung in der Praxis sammeln Sie am besten an 3 aufeinanderfolgenden Tagen je eine kleine Probe in einem Röhrchen, weil Giardien und Wurmeier nicht mit jedem Kotabsatz ausgeschieden werden. Aus meiner Beratungspraxis kann ich sagen: Wer mit einem solchen Tagebuch kommt, bekommt in der Regel schneller die richtige Fütterungsempfehlung, weil die Frage „Dünndarm oder Dickdarm?“ dann schon beantwortet ist.

Weitere häufige Fragen zu Dünndarm- und Dickdarmdurchfall beim Hund

Kann ein Hund gleichzeitig Dünndarm- und Dickdarmdurchfall haben?

Ja, Mischformen sind häufig. Unverdaute Nahrung aus einem gestörten Dünndarm reizt den Dickdarm, sodass zu großen wässrigen Mengen nach einigen Tagen Schleim und Drang dazukommen. Auch Parasiten wie Giardien oder eine fortgeschrittene chronische Enteropathie können beide Abschnitte betreffen. Für die Einordnung zählt dann die Symptomatik, die zuerst da war und dominiert.

Mein Hund presst, aber es kommt kaum Kot: Verstopfung oder Durchfall?

In den meisten Fällen ist das Dickdarmdurchfall, keine Verstopfung. Der gereizte Dickdarm meldet ständig Drang, obwohl er fast leer ist. Der Hund presst dann kleine, weiche oder schleimige Portionen heraus. Bei echter Verstopfung ist der Kot hart, trocken und selten. Abführmittel wären beim Dickdarmdurchfall genau der falsche Weg.

Ist frisches Blut im Durchfall ein Notfall?

Ein paar hellrote Streifen auf schleimigem Kot stammen meist aus der gereizten Dickdarmschleimhaut und sind bei gutem Allgemeinbefinden kein Notfall. Große Blutmengen, himbeergeleeartiger Kot, Apathie, Erbrechen oder ein kleiner Hund sind dagegen Gründe, sofort in die Tierarztpraxis zu fahren. Schwarzer Kot deutet auf verdautes Blut aus Magen oder Dünndarm hin.

Soll ich bei Durchfall sofort das Futter wechseln?

Nein, ein spontaner Sortenwechsel verschleiert eher die Ursache und reizt den Darm zusätzlich. Besser ist eine kurze Schonkostphase und die schrittweise Rückkehr zum gewohnten Futter. Steht ohnehin eine Umstellung an, planen Sie sie über 10 bis 14 Tage, mit steigendem Anteil des neuen Futters, so wie ich es im Ratgeber zur Futterumstellung beim Hund beschreibe.

Sind Flohsamenschalen für jeden Hund mit Durchfall geeignet?

Nein, Flohsamenschalen passen vor allem zum Dickdarmdurchfall mit Schleim, Drang und kleinen Portionen. Bei akutem Dünndarmdurchfall mit großen wässrigen Mengen können sie die Verdauung zusätzlich belasten. Immer mit reichlich Wasser geben, mit einer kleinen Menge beginnen und bei Erbrechen, Fieber oder Apathie nicht einsetzen, sondern tierärztlichen Rat holen.

Welche Rolle spielt Stress beim Dickdarmdurchfall?

Eine große. Aufregung, Besuch, Umzug, Hundeschule oder Autofahrten verändern die Beweglichkeit des Dickdarms und lösen bei empfindlichen Hunden innerhalb von Stunden schleimigen, drängenden Durchfall aus. Typisch ist, dass er nach 1 bis 3 Tagen von selbst verschwindet. Feste Fütterungszeiten, Ruhe nach dem Fressen und lösliche Faser machen solche Hunde deutlich stabiler.

Was bringt eine Kotuntersuchung und wie sammle ich die Probe richtig?

Eine Kotuntersuchung findet Giardien, Wurmeier und bei Bedarf Clostridien-Toxine, also die häufigsten behandelbaren Ursachen für beide Durchfallformen. Sammeln Sie an 3 aufeinanderfolgenden Tagen je eine kleine Probe in einem Röhrchen und lagern Sie sie kühl, weil Parasiten nicht mit jedem Kotabsatz ausgeschieden werden. Eine einzelne Probe liefert zu oft ein falsch negatives Ergebnis.

Fazit: Erst das Kotbild lesen, dann füttern

Ob Dünndarmdurchfall oder Dickdarmdurchfall, verrät Ihnen beim Hund das Kotbild: große wässrige Mengen, Blähungen und Gewichtsverlust sprechen für den Dünndarm, viele kleine schleimige Portionen mit frischem Blut und Drang für den Dickdarm. Diese Lokalisation grenzt die Ursachen ein und entscheidet über die Fütterung: hochverdaulich, fettreduziert und in kleinen Mahlzeiten beim Dünndarm, hochverdauliche Basis plus lösliche Ballaststoffe beim Dickdarm. Mein Fazit aus der Beratung: Ein Kot-Tagebuch über wenige Tage ersetzt viele Sortenwechsel. Alles, was länger als 3 Wochen dauert oder mit Warnzeichen einhergeht, braucht eine tierärztliche Diagnose, bevor die Ernährung begleitend ansetzt.

Quellen und weiterführende Informationen

  • MSD Veterinary Manual: Differentiation of Small Intestinal from Large Intestinal Diarrhea, die tiermedizinische Standardtabelle zur Unterscheidung von Dünndarm- und Dickdarmdurchfall, msdvetmanual.com
  • Burgener, I. (2013): Kolitis bei Hund und Katze. Kleintierpraxis 58, S. 362 bis 378, DOI 10.2377/0023-2076-58-362, deutschsprachige Übersichtsarbeit zu Ursachen und Diagnostik des Dickdarmdurchfalls, vetline.de
  • Dandrieux, J.R.S. (2016): Inflammatory bowel disease versus chronic enteropathy in dogs: are they one and the same? Journal of Small Animal Practice 57(11), S. 589 bis 599, Übersichtsarbeit zur Einteilung chronischer Darmerkrankungen beim Hund
  • Leib, M.S. (2000): Treatment of chronic idiopathic large-bowel diarrhea in dogs with a highly digestible diet and soluble fiber: a retrospective review of 37 cases. Journal of Veterinary Internal Medicine 14(1), S. 27 bis 32, Studie zu löslichen Ballaststoffen bei chronischem Dickdarmdurchfall
  • Alves, J.C., Santos, A., Jorge, P., Pitães, A. (2021): The use of soluble fibre for the management of chronic idiopathic large-bowel diarrhoea in police working dogs. BMC Veterinary Research 17, 100, Studie zu Flohsamenschalen bei Diensthunden mit Dickdarmdurchfall, pmc.ncbi.nlm.nih.gov
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Christina Williger - Zertifizierte Ernährungsberaterin für Hunde und Katzen | Anifit-Fachberaterin

Verfasst von: Christina Williger
Ernährungsberaterin für Hunde & Katzen | Anifit-Fachberaterin | Gründerin von Ihr-Futtershop.de | Autorin

Im Laufe meines Lebens durfte ich viele verschiedene Haustiere begleiten und wertvolle Erfahrungen im Umgang mit ihren ganz unterschiedlichen Bedürfnissen sammeln. Zusätzlich war ich fast 20 Jahre lang im Pferdesport sowie im Hundesport aktiv. Meine tiefe Verbundenheit zu Tieren hat mich dazu bewegt, als Autorin im Heimtierbereich tätig zu werden und mein Wissen sowie meine Erfahrungen mit anderen Tierhalterinnen und Tierhaltern zu teilen. Die gesundheitlichen Herausforderungen meines Hundes Aragon haben mich außerdem dazu inspiriert, mich zur zertifizierten Ernährungsberaterin für Hunde und Katzen weiterzubilden. Mit meinen Büchern, Ratgebern und Fachbeiträgen möchte ich das Bewusstsein für die Bedürfnisse unserer Haustiere schärfen, ihre Lebensqualität nachhaltig verbessern und einen Beitrag zu einem harmonischen Zusammenleben von Mensch und Tier leisten.

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